Kegelschnecken nutzen ihr Gift zur Beutejagd und Abwehr. Seit Jahrzehnten werden diese Substanzen erforscht. Ein Team um Harald Sitte vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien forscht an dem neu entdeckten Peptid „AoIA“ aus dem Gift der Kegelschnecke. Dabei wirkten auch Fachleute aus Innsbruck mit, darunter Mariana Spetea, Leiterin der Opioid-Forschungsgruppe am Institut für Pharmazie sowie ihr Kollege Helmut Schmidhammer.
Einfache Verabreichung
Der Einsatz von Kegelschneckengift zur Schmerzlinderung ist in der Forschung bereits bekannt. Bisher musste die Arznei allerdings direkt in die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit gespritzt werden. Anders als bisherige Wirkstoffe könnte der neu entdeckte Baustein deutlich einfacher angewendet werden – mit einer Spritze unter die Haut. Der nun entdeckte Baustein „AoIA“ hemmt gezielt den Transporter für Noradrenalin. Dadurch kann die körpereigene Schmerzhemmung unterstützt werden.
Risikoärmer als Opioide
Mariana Spetea zufolge könnten die aus der Giftschnecke isolierten Moleküle eine Alternative zu Opioiden wie beispielsweise Morphium sein. Diese seien zwar derzeit die wirksamsten Schmerzmittel, hätten aber erhebliche Nebenwirkungen – insbesondere das Risiko von Missbrauch und Abhängigkeit. Das neue Peptid hätte diese Eigenschaften nicht und könnte deshalb ohne ein vergleichbares Suchtpotenzial auskommen.
Laut Spetea konnten sowohl die Wirkweise des Peptids als auch dessen schmerzlindernde Effekte im Tiermodell mit Mäusen nachgewiesen werden. Dennoch seien weitere klinische Studien erforderlich, bevor „AoIA“ beim Menschen eingesetzt werden kann.