Auf der Eng Alm in Tirol haben in diesem Sommer zwei junge Frauen die Verantwortung für die Käserei übernommen. Magdalena Lorenze und ihre Kollegin verarbeiten dort die Milch von bis zu 250 Kühen. Bis zu 6.000 Liter Milch werden an Spitzentagen zu Käse, Butter und Joghurt verarbeitet.
Die Eng Alm zählt flächenmäßig und hinsichtlich der Anzahl der gesömmerten Tiere zu einer der größten Melkalmen Tirols. Obwohl die Alm in Tirol liegt, ist sie nur über Deutschland erreichbar: Über den Sylvensteinspeicher führte die Straße ins Hinterrißtal und weiter zur Eng am Fuße des Karwendels. Zwischen über 2.000 Bergahornbäumen des Großen Ahornbodens befanden sich die Almhütten und Stallungen von acht Bauern.
Nachfolge nach 16 Sommern
Vergangenen Sommer stand die Käserin Carina Nutz noch an der Seite von Eduard Radinger in der Käserei, der die Produktion 16 Sommer lang geprägt hatte. Heuer führt sie seinen Weg gemeinsam mit der 20-jährigen Magdalena fort. Magdalena absolvierte ihre Ausbildung bei der Käserei Plangger in Niederndorf und war im vergangenen Sommer auf einer Alm im Berner Oberland für die Verarbeitung der Milch von rund 170 Tieren verantwortlich.
Der Weg ihrer Kollegin führte über Umwege in die Branche. Nach einem Studium der Wirtschaftspsychologie arbeitete sie mehrere Jahre im Recruiting. Die Erfahrungen ihres ersten Almsommers als Studentin auf einer kleinen Alm in Bad Hofgastein ließen sie jedoch nicht los. Sie wagte den Quereinstieg, absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung in der Käserei Ettal und stieß nach der Gesellenprüfung auf die Ausschreibung der Eng Alm. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen im Meisterkurs der Milchtechnologen.
Große Verantwortung für die beiden Käserinnen
Die beiden Käserinnen haben die Verantwortung für die Verarbeitung der gesamten Milchprodukte. „Es geht um das gesamte Kapital der Bauern, es geht um die Milch, es geht um die Kühe, es geht um die gesamte Wirtschaftlichkeit der Engalm“, so die Käserin Carina Nutz. Sie und Magdalena Lorenze sind bei der Agrargemeinschaft Engalm angestellt.
Arbeitstag beginnt um 3.30 Uhr
Was die beiden Käserinnen verband, war die Begeisterung für das Handwerk und der Einsatz für höchste Qualität. Ein Almsommer bedeutete für sie körperliche Höchstleistung, lange Tage und große Verantwortung. Der Arbeitstag begann bereits um 3.30 Uhr morgens, lange bevor die Sonne über den Gipfeln des Karwendels erschien. Bis Mittag lief die Produktion auf Hochtouren, am Nachmittag folgten Reinigungs- und Wartungsarbeiten sowie die Annahme der Abendmilch.
Unterstützt wurden die Käserinnen von Praktikantin Maria Lindner. Sie besucht die Landwirtschaftliche Lehranstalt Rotholz. Sie hilft bei der Käsepflege. Ein Laib wie der Ahornkönig kann bis zu 35 Kilogramm wiegen. Zu Beginn des Sommers entstanden täglich bis zu 18 Laibe.
Frische Verarbeitung und breite Produktpalette
Ein Almsommer bedeutet eine sieben Tage Woche. „Die Kühe kennen keinen Sonntag, sie geben jeden tag Milch, und uns ist es wichtig, die Milch frisch zu verarbeiten, das ist ein Qualitätsmerkmal unserer Alm“, so Carina Nutz.
Zwischen Tradition und Moderne entstanden auf der Eng Alm Tiroler Almkäse g.U., Tiroler Graukäse g.U., handgeformte Sauerrahmbutter sowie verschiedene Schnittkäse, Joghurt und Topfen. Mit den Produkten belieferten die Käserinnen unter anderem die Rasthütte auf der Eng Alm. Im vergangenen Sommer wurden mehr als 600.000 Liter Milch innerhalb von 134 Almtagen zu knapp 60 Tonnen Käse und rund 6.000 Kilogramm Butter verarbeitet.
„Es ist so schön, unter dem Jahr freut man sich schon immer auf den Almsommer; aber am Ende des Sommers freut man sich auch, dass er wieder vorbei ist“, schmunzelt Magdalena Lorenze.