Bisher habe es bundesweit keine einheitlichen Empfehlungen zur Hautkrebs-Vorsorge gegeben, sagt Nguyen. Es wurde nur allgemein empfohlen, ab 18 Jahren einmal pro Jahr die Haut untersuchen zu lassen. Von der WHO werde das aber nicht empfohlen, so Nguyen, weil die Mortalitätsrate dadurch nicht gesenkt werden konnte.
Sonnenbestrahlung und erhöhtes Melanom-Risiko
In Tirol gibt es eine Häufung von Schwarzem Hautkrebs. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen werden für Risiko-Patienten empfohlen.
Man müsse sich mehr auf Risikogruppen fokussieren, so Nguyen, bei diesen Patienten mache die Vorsorge einen Sinn. Experten aus allen Bundesländern hätten sich zusammengetan und vor kurzem eine einheitliche Empfehlung herausgegeben. Einmal ab dem 18. Lebensjahr sollte geschaut werden, ob der Patient ein Risikopatient sei. Wenn dem so sei, dann gehöre er regelmäßig kontrolliert. Wenn nicht, seien keine regelmäßigen Kontrollen erforderlich. Das ändere sich ab dem 50./60. Lebensjahr, wenn das Risiko, Hautkrebs zu entwickeln, steige.
Die Kriterien für Risikopatienten
Risikopatienten seien unter anderem Menschen mit Hauttyp 1, das seien Menschen mit heller Haut, Sommersprossen, blauen Augen, die leicht Sonnenbrand entwickeln, so die Fachärztin. Außerdem seien es Patienten mit über 60 Muttermalen oder solche, die mindestens vier ungewöhnliche Muttermale haben – oder Menschen, bei denen in der Familie schon Melanome vorgekommen sind. Risikopatienten seien außerdem Menschen mit weißem Hautkrebs, oder immunsupprimierte Menschen, etwa nach Transplantationen.
Die meisten Melanome entstehen nicht aus Muttermalen
Zwei Drittel der Melanome würden sich neu bilden und nicht aus bestehenden Muttermalen entwickeln, sagt Nguyen. Man plädiere hier für Selbstuntersuchung und Partneruntersuchungen. Auch neu auftretende Sachen gehörten von einem Arzt angeschaut. Prävention sei besser als Vorsorgeuntersuchungen. Das habe beispielsweise Australien gezeigt, wo Kinder schon früh lernen, wie man mit der Sonne umgeht, dadurch habe die Sterblichkeit gesenkt werden können.
Jährlich etwa 50 Hautkrebs-Tote in Tirol
Im Hautkrebszentrum der Universitätsklinik Innsbruck werden jährlich 200 Melanom-Patientinnen und -Patienten behandelt – operiert und onkologisch betreut. Gerade in der Dermatologie hält die Telemedizin Einzug: Patienten können ihre Haut beim Hausarzt untersuchen lassen – Fachärzte werten die Bilder dann aus. In Tirol gibt es aufgrund der Höhe aber auch aufgrund der Lebensweise ein erhöhtes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Pro Jahr sterben in Tirol laut Statistik 50 Menschen an Hautkrebs.