Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt im Fall Danone, jene in Wien hat Ermittlungen gegen Nestlé eingeleitet, bestätigten die Behörden. Den Ermittlungen ging eine Strafanzeige von Foodwatch gegen die beiden Konzerne voraus, teilte die Organisation am Donnerstag mit.
Anhaltende Beschwerden bei Baby
Wochenlang war unklar, warum das Baby einer Tiroler Familie im Herbst des vergangenen Jahres ständig an Erbrechen und Durchfall litt. Auch an der Universitätsklinik Innsbruck ließ sich zunächst keine Ursache feststellen. Schließlich fiel der Verdacht auf die verwendete Babymilch des Herstellers Danone.
Nach Angaben des Unternehmens wurde die betreffende Packung untersucht. Von Seiten Danones habe es daraufhin Entwarnung gegeben. Die Eltern verabreichten dem Baby die Milch daher weiter. Die Beschwerden hielten allerdings an.
„Stiller Rückruf“ von Danone
Laut der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kam es im Jänner zu einem sogenannten stillen Rückruf durch Danone. Dabei wurden Produkte aus dem Handel entfernt, ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Erst Ende Jänner folgte ein öffentlicher Produktrückruf mit der Warnung, dass auch in Österreich Babymilch in Umlauf war, die mit dem Toxin Cereulid verunreinigt war.
Die betroffene Tiroler Familie brachte daraufhin Strafanzeige ein. Sie fühlte sich hintergangen und geschädigt. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck leitete in der Folge Ermittlungen wegen fahrlässigen Inverkehrbringens gesundheitsschädlicher Lebensmittel ein.
Neue Details ans Licht gekommen
In Frankreich, wo die Staatsanwaltschaft nach einer Foodwatch-Anzeige ebenfalls ermittelt, hätten Recherchen von Radio France, RTS und RTBF den Angaben zufolge neue Details ans Licht gebracht. Demnach soll die Staatsanwaltschaft einen konkreten Zusammenhang zwischen dem Konsum kontaminierter Säuglingsnahrung und dem Nachweis von Toxinen im Stuhl eines 24 Tage alten Säuglings bestätigt haben. Das könnte ein wichtiger Baustein in den Ermittlungen sein, da die Konzerne bisher jeglichen Zusammenhang negierten.
Bei Foodwatch hätten sich seit Beginn des Skandals etwa 90 Betroffene gemeldet, die einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Verabreichung der potenziell kontaminierten Babymilch und dem Auftreten von Symptomen gegenüber der Organisation bestätigen, berichtete die Organisation. „Laut unseren Informationen wurde das medizinische Personal in Österreich sehr spät über die Kontamination informiert, was zur Folge hatte, dass bei den erkrankten Säuglingen kaum Untersuchungen auf eine mögliche Cereulid-Vergiftung stattgefunden haben und wenn Stuhlproben genommen wurden, dann zu spät“, fügte Markus Linkeseder hinzu.
Säuglingsnahrung weltweit zurückgerufen
Mehrere Hersteller hatten im Winter in mehr als 60 Ländern weltweit Säuglingsnahrung zurückgerufen. Grund war die mögliche Verunreinigung der Produkte mit dem Giftstoff Cereulid, der Durchfall und Erbrechen verursachen kann. Neben Österreich haben auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien und das Vereinigte Königreich Fälle gemeldet, die untersucht wurden.