Im Regierungsprogramm der Innsbrucker Stadtkoalition bestehend aus der Bürgermeisterliste „JA – Jetzt Innsbruck“, den Grünen und der SPÖ ist zu lesen: „Radwegenetzausbau: Fertige Konzepte für Rad-/ Mountainbikewege von lokaler und regionaler Bedeutung umsetzen, zum Beispiel Vill, Igls“.
Der Landtagsabgeordnete und ehemalige Igler Stadtteilvertreter Herwig Zöttl (Liste Fritz) setzt sich seit Jahren für einen Radweg entlang der Igler Straße (L9) ein. „Die Radfahrer kriegen natürlich eine Krise, wenn hinter ihnen ein Lkw oder ein Bus fährt und der dahin zuckelt und natürlich auch Stress bekommt, weil er weiter will und der Radfahrer nicht absteigen kann“, schildert Zöttl.
Radlobby: „Brennerautobahn des Radverkehrs“
Der Sprecher der Radlobby Tirol Mathias Schweighofer nennt die Strecke gar die „Brennerautobahn“ des Radverkehrs. Nicht nur Anrainer des höher gelegenen Stadtteils Igls sowie Freizeitsportlerinnen aus Tirol nutzen die Straße mit dem Fahrrad. Sie ist auch ein offizieller Streckenabschnitt des Fernradweges München-Venedig.
„Die Pläne für diesen Radweg sind ja seit Jahren in den Schubladen. Es gibt fertige Konzepte, auf die im Wahlkampf auch immer referenziert wurde und wo versprochen wurde, diese umzusetzen. Wir warten jetzt darauf diese Umsetzung zu sehen, aber aktuell zeigt sich tatsächlich in der Stadt Innsbruck bei Schlüsselprojekten für den Radverkehr Stillstand bzw. teilweise auch Rückschritte“, kritisiert Schweighofer.
Stadt: Radweg „schwer bzw. nicht umsetzbar“
Auf Anfrage teilt die Stadt Innsbruck schriftlich mit, dass die Verkehrssituation immer wieder Thema von Rückmeldungen aus der Bevölkerung sei. Die Frage nach einer geeigneten Radverbindung zwischen Innsbruck und Igls beschäftige die Stadt und das Land bereits seit vielen Jahren.
Untersuchungen hätten gezeigt, „dass die Varianten aufgrund der topografischen Verhältnisse, schwieriger Grundbesitzsituationen sowie des hohen baulichen und betrieblichen Aufwands schwer bzw. nicht umsetzbar sind. Insbesondere entlang der L9 stellen der erhebliche Höhenunterschied und die damit verbundenen Steigungen sowie die erforderlichen Kunstbauten wesentliche Herausforderungen dar“, so die Stadt Innsbruck. Im selben Wortlaut antwortet auch das Land Tirol.
Alternativen über Aldrans und Gärberbach
Man verweist weiters auf den Ausbau der Radverbindung von Innsbruck nach Aldrans. Außerdem habe man eine bestehende Route über Innsbruck-Süd, Gärberbach und den Handlhofweg nach Vill aufgewertet.
Diese Alternativrouten möchten sowohl Schweighofer als auch Zöttl nicht als Lösung gelten lassen. Die Verbindung über Aldrans sei doppelt so lang, argumentiert der Radlobby-Sprecher. Zudem werde der Ausbau noch Jahre dauern, so sei etwa die Streckenführung noch offen.
In der Strecke über Gärberbach sieht Zöttl zumindest eine Chance, autofrei bzw. verkehrsgemindert nach Igls zu kommen. „Eine gute Alternative ist das aber auch nicht“, so der Abgeordnete. Denn es gelte mehr Höhenmeter zu überwinden.
Vor allem Überholabstand ein Problem
Bei einem Lokalaugenschein zeigte sich, dass sowohl Autofahrerinnen als auch Radfahrer einen Radweg befürworten. „Für uns, aber auch für die Autofahrer ist das unangenehm“, sagt ein Radreisender. Eine Anrainerin aus Igls schildert: „Sie fahren in der Reihe teilweise nebeneinander und man sieht auch, dass teilweise Radgruppen mit Kindern rauffahren, was ich ganz, ganz gefährlich finde.“
Ein Problem sieht die Radlobby Tirol vor allem in zu geringen Überholabständen. Ein Versuch mithilfe eines nicht geeichten Abstandsmessgerätes habe gezeigt, dass der gesetzliche Mindestüberholabstand von 1,5 Metern im Ortsgebiet und 2 Metern außerhalb oft nicht eingehalten werde. „Die Daten, die wir hier aufgenommen haben, zeigen, dass fast 75 Prozent der Messungen diesen Wert unterschreiten. Das ist tatsächlich kein Kavaliersdelikt, das gefährdet Menschenleben“, so Schweighofer.
Schilder und Markierungen als kurzfristige Lösung
Selbst wenn es zu keiner Berührung komme, könne ein Luftstoß reichen, um einen Sturz zu verursachen. Schweighofer plädiert deshalb dafür, dass auf solch kritischen Strecken wie der Igler Straße Hinweisschilder und Fahrradsymbole auf der Straße angebracht werden. Das sehe man als sinnvolle Ergänzung zur Radweginfrastruktur, teilte die Stadt Innsbruck dazu auf Anfrage mit.
Eine Häufung von Verkehrsunfällen mit Verletzungen und Fahrradbeteiligung beobachte man auf dieser Strecke übrigens nicht, hieß es vonseiten des Verkehrsreferates des Stadtpolizeikommandos Innsbruck. Heuer habe es bis Anfang August keinen solchen Unfall gegeben.