Am vergangenen Freitag wurde im Bezirk Imst ein sogenannter Schadwolf erlegt, nachdem erst kurz zuvor eine entsprechende Verordnung erlassen worden war – mehr dazu in Wolf nach erlassener Verordnung geschossen. Dabei handelte es sich um den zehnten nachgewiesenen Wolfsabschuss in diesem Jahr.

„In Tirol wird normales Wolfsverhalten viel zu oft reflexartig zum Risiko erklärt“, kritisierte der WWF. Dem widersprach am Montag der zuständige Landesrat Josef Geisler (ÖVP): „Ob eine Abschussverordnung erlassen wird oder nicht, wird in jedem einzelnen Fall sorgfältig geprüft und unter Anwendung der Ausnahmeregelungen der FFH-Richtlinie beurteilt.“

Land hebt Entwicklung der Wolfspopulation hervor

Laut WWF sei heuer bereits ein Drittel des Tiroler Wolfsbestandes abgeschossen worden. Laut Land Tirol seien 2025 tatsächlich 31 verschiedene Wolfsindividuen in Tirol nachgewiesen worden. Somit würden die zehn erlegte Wölfe tatsächlich rund einem Drittel entsprechen. „Für die Beurteilung des Erhaltungszustands ist jedoch nicht der Bestand in Tirol allein maßgeblich, sondern die alpine Wolfspopulation. Diese befindet sich nach Einschätzung der Europäischen Union in einem günstigen Erhaltungszustand“, so das Land auf Anfrage des ORF Tirol.

Gegenteiliges behauptete der WWF in seiner Aussendung. Laut der Umweltschutzorganisation sei der „günstige Erhaltungszustand“ derzeit nicht gegeben. In diesem Zusammenhang sprach der WWF von einer „rechtswidrigen und kontraproduktiven Tötungspraxis des Landes“. Laut Land Tirol wiederum habe die Wolfspopulation in Tirol von 2024 auf 2025 um 35 Prozent zugenommen.

Drei Abschussverordnungen aufrecht

Für das sogenannte Wolfsmonitoring arbeitet das Land Tirol mit der Tiroler Jägerschaft, weiteren Fachstellen sowie den umliegenden Alpenländern zusammen. Auf einer Online-Übersichtskarte können aktuelle Nachweise und Begutachtungen eingesehen werden.

Derzeit sind drei Abschussverordnungen aufrecht: eine in den Bezirken Landeck und Imst sowie zwei weitere im Bezirk Lienz. Der WWF fordert nun ein Ende der Abschussverordnungen und schlägt dem Land stattdessen Maßnahmen wie Herdenschutzzäune, Behirtung oder Herdenschutzhunde vor.

„Unser Auftrag ist es, den Schutz der Almwirtschaft und der Weidetiere mit einem rechtssicheren und nachvollziehbaren Wolfsmanagement sicherzustellen, und diesen Weg werden wir auch weiterhin verfolgen“, meinte dazu der zuständige Landesrat Geisler.

WWF: „Wolf erfüllt wichtige Funktionen“

Laut WWF könnten Wolfsabschüsse sogar kontraproduktiv sein. „Die heimischen Beutegreifer leisten einen natürlichen Beitrag zur Artenvielfalt. Sie verhindern die Ausbreitung von Krankheiten, halten das Wild fit und können im Idealfall auch die wichtigen Schutzwälder stärken, indem sie zu hohe Wildbestände reduzieren“, so die Umweltschutzorganisation.