Windenergieanlagen werden derzeit pauschal nach theoretischen Werten und Berechnungen zum Schutz der Tiere abgeschaltet, so Alexander Sutor, Leiter des Instituts für Mess- und Sensortechnik der UMIT Tirol. Die Berechnung beruhe auf Faktoren wie Dämmerung, Windstärke etc., Abschaltungen würden dann auf Basis dieser Berechnungen durchgeführt.
Im Projekt „RealBat“ wird seit Kurzem versucht, echte Kontakte mit Fledermäusen und Vögeln durch Wärmebildkameras zu erkennen. Diese sollen Flugbahnen und Kollisionen dokumentieren. Windräder sollen dann, so Sutor, abgeschaltet werden, wenn tatsächlich ein Risiko für Tiere besteht und nicht auf Basis von theoretischen Berechnungen.
Wärmebildvideo einer Fledermaus, die vor einem Windrad abdreht
Die Grundlage des Projekts ist ein Datensatz von einem Testfeld für Windenergieanlagen in Baden-Württemberg. Dort hat man bereits detaillierte Einblicke in das Verhalten von Fledermäusen im Umfeld von Windenergieanlagen gewonnen.
Für bessere Dokumentation bei Windenergie im Wasser
Im zweiten Projekt geht es darum, vor allem bei Offshore-Windparks an der Nord- und Ostsee, also Windrädern, die im Wasser stehen, Kollisionen mit Vögeln und Fledermäusen zuverlässig nachzuweisen. Diesbezüglich gebe es aktuell keine Zahlen.
Entwickelt wird im Rahmen des Projekts „Multisensorische Detektion von Schlagopfern“ ein kostengünstiges Sensorsystem, das Rotorblattvibrationen mit akustischen und optischen Messverfahren kombiniere, so die UMIT in einer Pressemitteilung. Das Vorhaben, das im Oktober startet, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Ziel ist es, wirksame Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Windkraft und Artenschutz ohne Widerspruch
Auch für Tirol habe diese Forschung der UMIT Relevanz, da bei der Diskussion über Standorte für Windkraft stets auch der Artenschutz Bedingung sei. Durch intelligente Sensorsysteme und Abschaltzeiten könnte Windkraft wirtschaftlich und ökologisch verträglich genutzt werden, hieß es in der Aussendung.