Matthias Tachezy von der Sozialberatungsstelle „Chillout“ spricht von einer Situation, die sich in den vergangenen Jahren verschärft habe. Das zeige auch die Praxis der Anlaufstelle, die mit mehr obdachlosen jungen Erwachsenen konfrontiert sei.

Die Anlaufstelle „Chillout“ ermöglicht Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter anderem Unterstützung bei der Existenzsicherung, der Arbeitssuche, der Wohnungssuche und der Suche nach einem betreuten Wohnplatz. Und sie dient auch als Meldeadresse für Wohnungslose. Die Zahl derjenigen, die dort gemeldet sind, sei über die Jahre größer geworden. Und die Betroffenen seien auch tendenziell länger beim „Chillout“ gemeldet, sagt Tachezy.

Hohe Wohnkosten einerseits, fehlende Hilfe andererseits

Neben zu hohen Mieten und Wohnkosten liege das Problem vor allem darin, dass es hierzulande für junge Erwachsene zu wenig Anlaufstellen gebe. „Viele der Betroffenen sind schon zu alt für Hilfsangebote im Kinder- und Jugendbereich, aber zu jung für den Erwachsenenbereich“, erklärt Tachezy. Hier brauche es oft eine spezielle Unterstützung.

Bei der Vergabe von Stadtwohnungen habe Innsbruck bereits besondere Vorgaben für Minderjährige geschaffen, so Vizebürgermeister Georg Willi (Grüne). Auch der Ausbau von jungem Wohnen werde mit einem neuen Projekt vorangetrieben, heißt es seitens der Stadt. Frühzeitige Unterstützung könne oft Schlimmeres verhindern, meint Willi: „Wir müssen versuchen, diese Menschen mehr auch mit mobiler Sozialarbeit zu erreichen. “ Politisch sei es allerdings schwierig, in Zeiten knapper Budgets die nötigen Mittel zu bekommen, kritisiert er. Gebe es rechtzeitig Hilfe für Betroffene, könnten später viele Probleme verhindert werden. Die Stadt Innsbruck fordert deshalb mehr Unterstützung vom Land – denn viele Wohnungslose seien ursprünglich von auswärts.