Diese Funde müssen nun vollflächig archäologisch untersucht und dokumentiert werden. Das kostet Zeit und zusätzliches Geld. Die Fernwärmeleitung soll laut Gemeinde zwar weiter möglichst termingerecht verlegt werden. Bei der geplanten Begegnungszone wird es aber wohl zu Verzögerungen kommen.
Erkundung nach Knochenfund
Die Gemeinde arbeitet in diesem Bereich an zwei Projekten. Einerseits wird das Fernwärmenetz ausgebaut. Andererseits sollte im Anschluss gleich die Begegnungszone in der Landstraße umgesetzt werden. Sie ist zwischen Volksschule, Kirche, Friedhof und dem Gasthof Rössle geplant.
Nach dem Fund der Skelette unter der Landstraße wurden nebenan im Bereich der künftigen Begegnungszone Erkundungsschlitze gemacht. Dort kamen weitere archäologische Spuren in Form von Mauern zum Vorschein. Nach Angaben der Gemeinde muss deshalb nun ein größerer Bereich vor der Volksschule freigelegt werden. Erst nach der archäologischen Begutachtung lässt sich abschätzen, wann die Bauarbeiten für die Begegnungszone starten können.
Kosten steigen deutlich
Die Kostenfrage ist nicht endgültig geklärt. Für die archäologische Bearbeitung der Skelettfunde im Leitungsgraben der Fernwärme rechnet die Gemeinde derzeit mit rund 30.000 Euro an Mehrkosten. Darin enthalten sind die archäologische Begleitung und die Ausgrabung vor Ort, nicht aber weitere Laboruntersuchungen wie Altersbestimmungen.
Die vollflächige Untersuchung im Bereich vor der Volksschule werde laut Gemeinde noch einmal eine andere Größenordnung haben. Bürgermeister Michael Hartmann spricht von einer zusätzlichen Belastung für Nenzing. Die finanzielle Situation in den Gemeinden sei ohnehin angespannt. Er hofft deshalb auf Unterstützung durch das Bundesdenkmalamt, das Grabungen und Auswertungen teilweise fördern kann.
Mindestens 16 Skelette entdeckt
Archäologisch besonders interessant bleiben die menschlichen Überreste, die bei den Arbeiten entdeckt wurden. Thomas Bachnetzer, Archäologe des Bundesdenkmalamtes, spricht von mindestens 16 Bestattungen. Wie alt die Skelette sind, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Weil es keine Grabbeigaben gibt, dürften C14-Datierungen nötig werden. Bei dieser Methode kann anhand vom Kohlenstoff, welches in den Knochen vorkommt, das Alter ermittelt werden.
Dass in der Nähe einer Kirche oder eines Friedhofs menschliche Überreste gefunden werden, sei grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Auffällig ist laut Bachnetzer in diesem Fall aber, dass die Skelette außerhalb des heutigen Friedhofs liegen und auch außerhalb der bisher bekannten archäologischen Fundzone. Möglich sei deshalb, dass der Friedhof früher größer war oder die Bestattungen zu einer älteren Bauphase der Kirche gehören.
Kirche reicht weit zurück
Die Nenzinger Kirche ist aus archäologischer Sicht spannend. Ihre ältesten bekannten Bauphasen reichen laut Bachnetzer bis ins 5. und 6. Jahrhundert nach Christus zurück. Die Skelette werden derzeit vorsichtig freigelegt, fotografiert, vermessen und geborgen. Danach sollen sie anthropologisch untersucht werden – unter anderem auf Anzahl, Geschlecht und Alter der bestatteten Personen. Wie lange die archäologischen Arbeiten insgesamt dauern, ist noch offen. Laut Landesarchäologie könnten es noch einige Wochen sein, möglicherweise geht es aber auch schneller.