Im Herbst 2023 haben neun Pflegelehrlinge in Vorarlberg den Sprung ins Ungewisse gewagt. Die Pflegelehre war damals noch ganz neu – die Lehrlinge waren die ersten ihrer Art. Drei Jahre später sind sie die ersten mit Abschluss. Sieben haben die Prüfung geschafft, zwei müssen sie wiederholen.

Erste Pflegelehrlinge schließen Ausbildung erfolgreich ab

Nachfrage ist groß

Was vor drei Jahren mit neun Lehrlingen begonnen hat, entwickelt sich unterdessen weiter. 2024 haben 16 Personen die Pflegelehre begonnen, 2025 hat es 15 neue Lehrlinge gegeben. Im Herbst dieses Jahres starten 14 Personen mit der Ausbildung. „Es können hier aber noch welche dazu kommen“, heißt es von Landesseite. Bewerbungsgespräche würden noch laufen.

Die Nachfrage sei groß. Im Land geht man davon aus, dass sich durchschnittlich fünf bis sechs Personen auf eine Pflege-Lehrstelle bewerben. „Es ist bedauerlich, wenn interessierten Jugendlichen aufgrund fehlender Ausbildungsplätze abgesagt werden muss“, sagt Soziallandesrätin Martina Rüscher.

14 Standorte

Ihr zufolge kann die Pflegelehre derzeit an 14 Standorten von acht Betrieben absolviert werden. „Es sind ab Herbst alle Bereiche von der Langzeitpflege über die Akutpflege bis zur Hauskrankenpflege dabei“, so Rüscher.

Das Antoniushaus in Feldkirch, Benevit Höchst/Fußach, der Hauskrankenpflegeverein Bregenz, das Landeskrankenhaus Bregenz, die Pflege- und Sozialdienste Dornbirn und Götzis, die Stiftung Liebenau, die Senioren-Betreuung Feldkirch und das Vorderlandhus Röthis bilden Pflegelehrlinge aus. Bei den Sozialdiensten in Lustenau ist geplant, die Pflegelehre in Zukunft anzubieten.

„Würde mich über weitere Betriebe freuen“

„Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Einrichtungen dazu entschließen, Lehrstellen in der Pflege anzubieten“, hält die Soziallandesrätin fest.

Insgesamt zählt das Land 38 Lehrlinge, von denen sich eine Person im Mutterschutz befindet. Drei Lehrlinge hätten bislang die Lehre abgebrochen, zwei davon gleich in den ersten Wochen, eine Person aufgrund eines familiären Schicksalsschlags. „Ich finde es gut, weil man viel Praxis hat und ich wollte direkt in den Beruf einsteigen und schauen, ob es mir gefällt“, sagt Anne Schwarzenbacher, die ihre Lehre im Antoniushaus in Feldkirch absolviert. Das Arbeitspensum schreckt die Auszubildenden nicht ab. „Am besten gefällt es mir die Medikamente herzurichten, das braucht sehr viel Genauigkeit und Konzentration. Und in der Pflege ist sowieso immer etwas zu tun, das mag ich sehr“, sagt Emily Kriser, ebenfalls Lehrling im Antoniushaus.

Arbeit am Pflegebett ab 17 Jahren erlaubt

„Die Pflegelehre eröffnet jungen Menschen einen frühen, praxisnahen Einstieg in einen sinnstiftenden und zukunftssicheren Beruf“, sagt Rüscher. 2023 wurde sie als weiterer Baustein in der Ausbildungslandschaft eingeführt. Jugendliche können direkt nach der Schulpflicht in die Ausbildung starten. Wenn die Lehrlinge 17 Jahre alt sind, dürfen sie auch am Pflegebett arbeiten. Früher ist das rechtlich nicht erlaubt.

Weiterbildungsmöglichkeiten

80 Prozent der Lehrzeit verbringen die Lehrlinge in der Praxis, 20 Prozent in der Berufsschule. Nach drei Jahren sind die Lehrlinge offiziell als Pflegeassistenten bzw. Pflegeassistentinnen ausgebildet. Das haben die ersten jetzt geschafft. Absolvieren sie ein weiteres, zusätzliches Jahr, schließen sie ihre Lehre als Pflegefachassistenten bzw. Pflegefachassistentinnen ab. Wer sich nach der Pflegelehre bis hin zur diplomierten Fachkraft weiterbilden möchte, hat auch berufsbegleitende Möglichkeiten an der Fachhochschule.