Die vielfach ausgezeichnete Autorin Helfer ist am Sonntag nach einem Sturz überraschend gestorben. Diese Nachricht verbreitete der Hanser Verlag Sonntagnachmittag. „Monika Helfer hat mit ihrer geraden, klaren, wahrhaftigen Literatur die Welt lebendiger gemacht. Mit ihrem Tod verlieren wir Schönheit“, teilte Verleger Jo Lendle mit.
Über Jahrzehnte hinweg erzählte Helfer in Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern von Menschen am Rand, von Verletzlichkeit und familiären Verwerfungen. Ihre Bücher waren geprägt von großer sprachlicher Klarheit und einer besonderen Nähe zu den Figuren, vor allem zu Kindern und Jugendlichen. Sie wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet – zuletzt heuer mit der Carl-Zuckmayer-Medaille für besondere Verdienste um die deutsche Sprache.
Kindheit in einfachen Verhältnissen
Helfer wurde 1947 in Au im Bregenzerwald geboren und wuchs in Vorarlberg auf, ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen prägte ihr literarisches Werk nachhaltig. Ihr Vater arbeitete als Verwalter in einem Erholungsheim für Kriegsversehrte und betreute dort auch die Bibliothek – ein Ort, der für die junge Helfer früh zum Zugang in die Welt der Literatur wurde. Der frühe Tod ihrer Mutter an Krebs wurde zu einem wiederkehrenden Motiv ihres Schreibens: Verlust, Erinnerung und die Suche nach Zugehörigkeit.
Vorarlberger Autorin Monika Helfer verstorben
Menschen im Mittelpunkt
Ihre frühen Texte veröffentlichte sie unter dem Namen Monika Helfer-Friedrich. Später entwickelte sie sich zu einer unverwechselbaren literarischen Stimme im deutschsprachigen Raum. Immer wieder stellte sie Menschen in den Mittelpunkt, die gegen gesellschaftliche Zuschreibungen ankämpfen mussten. In der Laudatio zur Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse hieß es: Die Figuren in ihren Büchern besäßen „Mut, Überlebenswillen und den gesunden Trotz eines Kindes“.
Autofiktionale Familientrilogie
Besondere Aufmerksamkeit erhielt Helfer in den vergangenen Jahren mit ihrer autofiktionalen Familientrilogie. Den Anfang machte 2020 der Bestseller „Die Bagage“, in dem sie die Geschichte ihrer Großeltern und insbesondere ihrer Mutter Grete erzählte. Mit „Vati“ setzte sie 2021 die Familiengeschichte fort. Im Zentrum stand ihr Vater – ein leidenschaftlicher Büchermensch –, aber sie thematisierte auch die Beziehungen zu ihren Geschwistern. In „Löwenherz“ widmete sie sich schließlich dem Leben und frühen Tod ihres Bruders Richard. Auch in ihrem späteren Roman „Die Jungfrau“ blieb sie ihrer autobiografischen Spurensuche treu. Dort rückte sie die Freundschaft zu ihrer Schulfreundin Gloria in den Mittelpunkt.
Ihr Roman „Oskar und Lilli“ wurde 2018 unter dem Titel „Ein bisschen bleiben wir noch“ verfilmt. Ihr Kurzgeschichtenband „Bettgeschichten und andere“ wurde 2022 für den Österreichischen Buchpreis nominiert.
Schriftstellerehe mit Köhlmeier
Helfer war mit dem Schriftsteller Köhlmeier verheiratet, mit dem sie vier Kinder hatte. Ihren Roman „Bevor ich schlafen kann“ widmete sie dem Andenken an ihre Tochter Paula, die 2003 bei einem Unfall ums Leben kam. Ihr Sohn Lorenz Helfer wurde als bildender Künstler bekannt. Gemeinsam lebten Helfer und Köhlmeier in Hohenems und Wien.
Mit Helfer verliert die österreichische Literatur eine ihrer bedeutendsten Stimmen. Ihre Texte erzählten von den Verletzungen des Lebens, aber auch von Würde, Zärtlichkeit und Widerstandskraft. Sie schrieb über Familien, wie sie wirklich sind: kompliziert, schmerzhaft, widersprüchlich und dennoch getragen von Liebe.