Bei der Messe Dornbirn soll mit dem neuen Geschäftsführer Nilly Nail ein frischer Wind kommen – das war das erklärte Ziel von Aufsichtsrat und Messe-Gesellschaftern, nachdem die Messe in den vergangenen Jahren durch rückläufige – und manchmal auch künstlich aufgeblasene – Besucherzahlen und Verluste im operativen Tagesgeschäft aufgefallen ist. Lange Zeit war nicht klar, wie sich die Messe Dornbirn mit ihren gut 30 Mitarbeitenden zukünftig überhaupt erfolgreich entwickeln soll, nachdem die Frühjahrs- und Herbstmesse nach der Corona-Phase deutlich Federn lassen mussten.
Für 2028 ausgeglichenes Ergebnis angepeilt
Gut zehn Monate nach dem Amtsantritt von Nail im Oktober 2025 sagte Messe-Aufsichtsratsvorsitzender Martin Dechant nun im wpa-Gespräch, an dem auch Nail teilnahm: „Wir haben jetzt erstmals eine Geschäftsführung, die einen konkreten Businessplan für die nächsten fünf Jahre bis 2030 vorgelegt hat“. So sei etwa geplant, dass die Messe Dornbirn im Jahr 2028 erstmals nach Jahren mit operativen Verlusten ein ausgeglichenes Ergebnis ausweisen soll. Danach will man jährlich wieder Gewinne erzielen.
Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2025 lag die operative Erfolgskennzahl (diese Kennzahl berücksichtigt auch die Besonderheiten der Messe etwa mit Sportflächen und hohen Infrastrukturkosten) bei minus 200.000 Euro. Der Bilanzverlust lag bei minus 3,04 Millionen Euro, wobei hier primär Abschreibungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro ins Gewicht fallen. Dazu kommen Zinsbelastungen von rund 700.000 Euro. Diese Verluste werden durch Auflösung von Kapitalrücklagen abgedeckt. Der Umsatz lag bei 6,8 Millionen Euro.
„Nicht von heute auf morgen zu drehen“
Dass ein ausgeglichenes Ergebnis erst in zwei Jahren vorliegen soll, zeige die Größe der Herausforderung für Geschäftsführung und Aufsichtsrat. „Ein alteingesessenes, sehr bekanntes Unternehmen mit Politik und Interessenvertretungen im Hintergrund sowie mannigfaltigen Interessen etwa im Bereich Sport und mit so mancher wenig ertragreichen Veranstaltung wie diversen Flohmärkten kann man nicht von heute auf morgen drehen“, so Dechant.
Denn im Endeffekt gehe es auch darum, die Rückgänge bei den früheren Großveranstaltungen Frühjahrs- und Herbstmesse schrittweise zu kompensieren. Was auch gerne vergessen werde: „Die Messe Dornbirn übernimmt mit manchen Veranstaltungen gesellschaftliche Verantwortung. Aber auch das müssen wir betriebswirtschaftlich stemmen können.“
Fokus auf Fach- und Special-Interest-Messen
Der Businessplan beschreibt zudem die zentralen Elemente, wie die Messe Dornbirn wieder in die operative Gewinnzone zurückkehren soll. So soll die Ertragskraft der Messeformate deutlich gesteigert werden, was einerseits vor allem durch vermehrte Fach- und Special Interest-Messen erreicht werden soll, mit denen sich deutlich höhere Quadratmeterpreise bei der Standmiete erzielen lassen. Hier werde auch verstärkt auf den Business-to-Buiness-Bereich (B2B) gesetzt. Und andererseits will man die Endverbrauchermessen im Format nachschärfen, etwa durch die gezielte Aufnahme bestimmter Schwerpunkte. „Im Endeffekt geht es um das Geschäft und wir müssen zusehen, wie wir unser Geschäft wieder ins Positive drehen“, so Nail.
„Austromobil“: Start mit positivem Deckungsbeitrag
Die heuer in vier Hallen erstmals durchgeführte Mobilitätsmesse „Austromobil“ gilt nach Darstellung von Nail und Dechant als gutes Beispiel für die Erfolgschancen des neuen Konzeptes. „Diese Special Interest-Messe hatte gleich beim ersten Mal einen positiven Deckungsbeitrag, das ist eine Premiere. Auch die Aussteller waren sehr zufrieden.“ Die für Februar 2027 angesetzte zweite „Austromobil“ sei bereits ausverkauft. Zudem habe man den Ausstellungsbereich auf die Hallen 8-14 ausgeweitet.
Neu: B2B-Fachmesse „Milchwerk“
Doch „Austromobil“ ist nicht die einzige Neuerscheinung. So sind heuer noch die B2B-Fachmessen „movatec“ und „TechCon“ vorgesehen, die sich mit Automatisierung und Logistik beschäftigen. Über 90 Aussteller hätten sich bereits angemeldet.
Im Oktober 2027 sei zudem in der Halle 9 die international ausgerichtete B2B-Fachmesse „Milchwerk“ geplant, die sich um Milchwirtschaft und die notwendige Technologie drehen wird. Als Besucher im Fokus stehen Molkereien, Käsereien und milchverarbeitende Genossenschaften. „Wir sprechen nur Fachpublikum an, das sich vorab registrieren muss“, schildert Nail. Dieses Modell bringe deutlich höhere Quadratmeterpreise und den Ausstellern hochkarätige Kundschaft.
Weitere neue Fach- und Special Interest-Messen
Des Weiteren geplant sind die Job- und Karrieremesse „Good Work“ im November 2026 und die Hospitality-Fachmesse „Flavor“ im Juni 2027. Dazu kommt für Dezember 2026 und Jänner 2027 das Angebot „Stage 13“. Hier können Unternehmen oder Institutionen die Halle 13 für Weihnachtsfeiern und Corporate Events anmieten – mit Catering und Begleitprogramm falls gewünscht.
Belegungsquote von bis zu 80 Prozent
Leerstehende Hallenflächen kosten die Messe Geld. Deshalb plant die Messeleitung nicht zuletzt durch deutlich reduzierte Rüstzeiten zwischen den Veranstaltungen eine Verkürzung der Zeiträume ohne Nutzung. „Wir peilen 2027 eine Belegungsquote zwischen 60 und 80 Prozent an“, so Nail. In Kombination mit den ertragsstärkeren Messeformaten sollte es möglich sein, den Businessplan einzuhalten, zeigen sich Dechant und Nail zuversichtlich.
Millioneninvestitionen notwendig
Um die Messe Dornbirn für die Umsetzung dieser Pläne zu rüsten, gibt es auch eine konkrete Investitionsplanung, die von den maßgeblichen Gesellschaftern abgesegnet wurde. „Wir müssen investieren, um die Hallen auf dem Stand der Technik zu halten“, so Nail und Dechant. Dabei gehe es etwa um Brandschutz. Die genaue Höhe wollte man nicht bekannt geben, es handle sich jedenfalls um Investitionen in Millionenhöhe.
Mehr Liquidität durch Erhöhung des Kontokorrentrahmens
Durch eine höhere Besicherung durch das Land Vorarlberg auf das Niveau der Stadt Dornbirn konnte jüngst auch der Kontokorrent-Rahmen für die Messe Dornbirn ausgeweitet werden, was der Messe mehr Liquidität zur Umsetzung der strategischen Pläne bringt. Zudem leisten Stadt Dornbirn und Land Vorarlberg einen Zuschuss für die Weiterentwicklung diverser Business-Units. Außerdem habe die Wirtschaftskammer Vorarlberg als Mitgesellschafterin ihr finanzielles Engagement rund um die einzelnen Fachmessen deutlich angehoben, sagt Dechant.