Wo sonst im feuchten Waldboden Pilze sprießen, herrscht heuer gähnende Leere, sagt Elisabeth Ritter von der Inatura. Trockenheit und Hitze erschweren das Wachstum der meisten Pilze und begrenzen ihre Entwicklung. Entsprechend dürftig schaue es aktuell mit dem Pilzwachstum in Vorarlberg aber auch in anderen Bundesländern aus.
Deutlich weniger Pilzberatungen
In den vergangenen Jahren hat Ritter um diese Zeit an die 150 Pilzberatungen durchgeführt, heuer waren es lediglich 15. Empfindlich würden vor allem Mykorrhiza-Pilze auf die aktuelle Wettersituation reagieren, wie Eierschwammerl und Steinpilze, die in Symbiose mit Bäumen leben. Leidet der Baum unter der Trockenheit, leidet auch das Pilzgeflecht im Boden, erklärt Ritter. Robuster sind holzzersetzende Pilze, da Holz Feuchtigkeit speichert.
In pilzarmen Zeiten würde die Gefahr von Vergiftungen steigen, da Sammler anstatt keine Pilze lieber unbekannte Pilze mitnehmen. Viele würden davor aber einen Check-up machen, das sei enorm wichtig, sagt Ritter. Gelegentlich käme es aber auch vor, dass ein Pilzsammler erst nach dem Essen zur Beratung kommt, wenn bereits Beschwerden aufgetreten sind.
Wichtige Nahrungsquelle für Waldtiere
Das schlechte Pilzwachstum hat auch negative Auswirkungen auf die Natur. Unter anderem wandeln Pilze totes Holz, Laub und Nadeln in wertvollen Humus um. Bei extremer Trockenheit verlangsamt sich dieser Abbau stark, erklärt die Expertin. Bleiben die Pilze aus, bricht zudem eine wichtige Nahrungsquelle für Waldtiere wie Insekten, Schnecken, Käfer, Eichhörnchen und Rehe weg.
Ohne viel Niederschlag keine Pilze mehr
Viel Regen über mehrere Tage wäre nötig, damit das Pilzwachstum in Vorarlberg doch noch in die Gänge kommt. Nach längerer Trockenheit dauert es laut Ritter in der Regel acht bis 14 Tage nach einem ergiebigen und ausgiebigen Regen, bis wieder größere Pilze im Wald wachsen. Kurze Schauer würden nicht ausreichen, der Boden müsse tiefgreifend durchnässt werden.
Beliebtesten Pilze: Steinpilze, Pfifferlinge und Parasolpilze
Insgesamt gibt es in Vorarlberg mehr als 2.100 Pilzarten. Ein Drittel davon (691 Pilzarten) befinden sich aufgrund ihrer akuten oder potentiellen Gefährdung auf der roten Liste. Die in der Bevölkerung beliebtesten heimischen Speisepilze, wie Steinpilz, Pfifferlinge und Parasolpilz, gehören zu den häufigsten Pilzarten Vorarlbergs. Diese Pilzarten zeigen im Allgemeinen eine durchaus hohe Verbreitungsdichte.
Auffallend ist, dass es durch den Klimawandel bereits eine erkennbare Veränderung in der Frühjahrs- und Herbstpilzproduktion gibt, sagt Ritter. Dieser generelle Trend könne aber in jedem Jahr durch Veränderungen in der Bodenfeuchte überlagert oder modifiziert werden.