„Die Wildtiere haben zum Teil gewaltig mit der Hitze zu kämpfen“, berichtet Schatz im Interview mit dem ORF. „Das hat ganz unterschiedliche Auswirkungen. In erster Linie suchen sie natürlich Schatten, weichen also aus auf schattigere Hänge, in Wälder, in Gräben und Tobel.“

Auch das Nahrungsangebot sei durch die Hitze begrenzt, führt der Wildbiologe aus: „Insbesondere die Wintervorbereitung fällt dem Wild jetzt durch die lange Hitzeperiode schwer. Die Tiere, die im Herbst zur Welt kommen – beispielsweise bei den Gämsen – werden ein geringeres Nahrungsangebot finden. Auch Rehe tun sich bei Hitze sehr schwer.“

Wild braucht jetzt vor allem Ruhe

Das Wichtigste für die Wildtiere sei daher jetzt, möglichst in Ruhe gelassen zu werden: „Also, dass jetzt in den Räumen, in die sie ausgewichen sind, nicht gestört oder aufgescheucht werden“, betont Schatz: „Es ist jetzt besonders wichtig, dass die Menschen auf den Wegen bleiben und nicht querfeldein durch den Wald marschieren.“ Besonders die Nachtruhe sei wichtig für die Wildtiere. „Man sollte jetzt also bitte nicht in der freien Natur kampieren. Das stresst die Wildtiere enorm.“

Alpine Tierwelt bereits am Limit

Murmeltiere, Schneehase oder Alpenschneehuhn sind seit der letzten Eiszeit perfekt an kalte, schneereiche Hochgebirgsregionen angepasst. Sie können jedoch nicht einfach in höhere, kältere Lagen ausweichen, teilt der Österreichische Tierschutzverein in einer Aussendung mit. "Ihr Lebensraum ist nach oben hin klar begrenzt und schrumpft mit jedem Grad Erwärmung weiter“, erklärt Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins.

Sommerhitze verkürzt aktive Fresszeit

Besonders die alpinen Murmeltiere leiden unter den steigenden Temperaturen, betonen die Tierschützer. Heiße Sommer verkürzen ihre tägliche Fresszeit, da sie häufiger in ihren kühlen Bau flüchten. Dadurch können sie weniger Fettreserven für den sehr langen Winterschlaf aufbauen.

Saisonale Tarnung wirkt schlechter

Auch Steinböcke und Gämsen haben hitzebedingt weniger Energiereserven für den Winter, da sie nur noch in den kühleren Morgen- und Abendstunden fressen. Und für Alpenschneehuhn und Schneehase funktioniert die saisonale Tarnung zunehmend schlechter durch den Farbwechsel von Braun im Sommer zu Weiß im Winter. Fressfeinde sichten sie leichter.

Sofortprogramm für den alpinen Artenschutz

Ihre Zukunft in den Alpen sei in Gefahr, fürchten die Tierschützer. Denn der Alpenraum erwärme sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, wie Studien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der GeoSphere Austria bestätigen. Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher ein Sofortprogramm für den alpinen Artenschutz: