Wie es der Name sagt, geht es bei „Drug Checking“ darum, illegale Substanzen zu überprüfen. Wer will, kann Proben von Kokain, Ecstasy oder von anderen Suchtmitteln abgeben. Diese werden ins Labor geschickt und untersucht. Das Ergebnis birgt dann oft Überraschungen, wie Eva Gasser von der offenen Jugendarbeit („Taktisch Klug“) und „Drug Checking“ weiß.
„Das häufigste Streckmittel ist Koffein, vorwiegend im Amphetamin. In Kokain wird oft Procain nachgewiesen, das ist ein Lokal-Anästhetikum und wird auch in der Zahnmedizin verwendet. Und es kommt vor, dass im Kokain Levamisol nachgewiesen wird. Das ist ein Entwurmungsmittel, das in der Tiermedizin oft verwendet wird“, sagt sie.
Gefährliche Kombination
Die Kombination aus Entwurmungsmittel und Kokain kann das Herz-Kreislauf-System stark belasten und auch auf die Organe schlagen. Das Angebot von „Drug Checking“ verfolgt das Ziel, solche Schäden zumindest kleiner zu halten. „Die Streckmittel haben unterschiedliche Wirkungsweisen mit der Substanz selbst“, sagt Gasser. Das kann nicht nur schädlich sein, sondern erschwert auch die Dosierung, „weil man nicht weiß, wie viel Streckmittel enthalten sind und wie viel von der eigentlichen Substanz.“
Ketamin als MDMA verkauft
Nach Angaben von „Drug Checking“ ist der Reinheitsgrad von Kokain aber auch oft sehr hoch, wodurch das Risiko für eine Überdosierung steigt. Bei Amphetaminen sei die Dosierung durch den hohen Koffeingehalt schwierig. Mehr als jede zehnte Probe zeigt, dass das, was verkauft worden ist, falsch deklariert wurde.
Ein Drogenkonsument hatte zum Beispiel MDMA – das sich unter anderem in Ecstasy findet – erworben, dieses über „Drug Checking“ überprüfen lassen und dadurch herausgefunden, dass es sich bei der Substanz eigentlich um das Betäubungsmittel Ketamin gehandelt hat. Solche Täuschungen und Fehldeklarationen seien keine Einzelfälle.
Knapp vier Proben pro Woche
Im vergangenen Jahr wurden bei „Drug Checking“ 200 Proben zur Analyse abgegeben. Im ersten Halbjahr des heurigen Jahres waren es 104.
Abgeben kann man die Proben persönlich bei der Suchttherapiestelle Fähre in Dornbirn oder in der Suchtberatung Do it yourself in Bludenz. Auch gibt es seit heuer ein weiteres Angebot mit Abgabeboxen, in die Proben eingeworfen werden können, berichtet Gasser. „Seit diesem Jahr haben wir Boxen an drei Standorten: bei der Montfortapotheke in Feldkirch, beim Clean in Bregenz, und im Ärztehaus in Egg. Mehr als ein Drittel der Proben werden dort abgegeben“.
Spitzenreiter Kokain
Mehr als die Hälfte aller Substanzproben, die über „Drug Checking“ eingereicht werden, betreffen Kokain, gefolgt von Amphetamin. Auch MDMA zum Beispiel in Form von Ecstasy, Cannabinoide und LSD wurden als Proben eingereicht.
Wer ein Ergebnis möchte, muss zur Beratung, entweder telefonisch oder persönlich. Da gehe es vor allem um sicheres Konsumieren und eine faktenbasierte Analyse der Substanzen, sagt Eva Gasser. „Im Zuge dessen haben auch schon einige Userinnen ihre Substanzen entsorgt, anstatt, dass sie sie konsumiert haben.“
Es gehe um eine frühzeitige Risikoaufklärung. Man stärke die individuelle Gesundheitskompetenz und schaffe einen Zugang zu weiterführender Beratung, erklärt Gasser. Auch da gebe es immer wieder neue Interessenten.
Förderung von Land und Gemeinden
Gefördert wird „Drug Checking“ über den Sozialfonds. Für das Jahr 2026 bestehe eine Förderzusage in Höhe von 77.600 Euro, heißt es im Büro von Soziallandesrätin Martina Rüscher. Im Voranschlag für 2027 seien 77.800 Euro vorgesehen. „Damit soll das Angebot auch im kommenden Jahr im bisherigen Umfang fortgeführt werden.“ Das Projekt sei ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die zunehmende Gefahr, die von verschiedenen Substanzen ausgehen würden.
Es wird konsumiert