Die Hitze belastet die Menschen stark. Bei der Telefonseelsorge würden sich derzeit täglich zahlreiche Menschen darüber beklagen. Die Menschen sind dünnhäutiger und würden nicht mehr wissen, wie sie mit den aktuellen Temperaturen auch körperlich umgehen sollen, erklärt Latzer: „Zuerst wird gejammert, wenn dann aber nachgefragt wird, kommt oft das eigentliche Thema zum Vorschein“. Bei den meisten Anruferinnen und Anrufern ist das die Einsamkeit, gefolgt von psychischen Belastungen und Erkrankungen sowie Problemen in der Familie oder bei der Erziehung.
Akute Krisen nehmen zu
Insgesamt haben heuer bereits 9.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger bei der Telefonseelsorge angerufen. Bei den meisten reicht es, wenn einfach nur zugehört wird, erklärt Latzer: „Ohne Wertung, nur durch das Nachfragen kommt oft schon Klarheit in die Thematik und die Menschen sind wieder beruhigter“. Auffallend sei jedoch, dass sich immer öfter Menschen mit akuten Problemen melden würden.
Heuer gab es bereits 60 Anrufe, bei denen über akute Krisen mit Suizid-Gedanken gesprochen wurde. Das sind vier Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr, sagt Latzer. Hier würden neben den bereits genannten Belastungen noch Themen wie die globalen Krisen oder auch die Teuerung dazukommen, und diese würden dann quasi das Fass zum Überlaufen bringen. In solchen Fällen bestehe Handlungsbedarf, diese Menschen werden an Fachdienste und Beratungsstellen weitervermittelt, erklärt der Experte.
Deutlich mehr Online-Beratungen
Obwohl immer mehr Männer die Telefonseelsorge nutzen, sind zwei Drittel der Ratsuchenden immer noch weiblich. Die meisten davon sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Eine immer größere Rolle spielt laut Latzer auch die Online-Beratung. Die Telefonseelsorge kann auch per SMS, Whatsapp, Chat oder Mail kontaktiert werden. Diese Möglichkeit würden vor allem jüngere Menschen, im Alter von 13 bis 30 Jahren nutzen.
„Hier sei man anonymer, Probleme lassen sich vielfach leichter schreiben als sagen“, meint Latzer. Zudem würde die junge Generation sowieso viel weniger zum Telefonhörer greifen, das spiegle sich auch hier in den Zahlen wider. Österreichweit gab es heuer bereits 7.000 Online-Anfragen. In Vorarlberg waren es mehr als 100, das sei eine Steigerung von 100 Prozent. In Zukunft soll die Online-Beratung deshalb ausgebaut werden.
Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar
Die Telefonseelsorge macht keine Sommerpause. Die 94 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind rund um die Uhr via Telefon erreichbar. Es gibt auch die Möglichkeit für eine Online-Beratung.
Hilfe im Krisenfall