Im Juli und im August werden in „normalen“ Jahren am wenigsten Kühe geschlachtet. Das liegt daran, dass viele Tiere den Sommer auf der Alpe verbringen. Der Juli lag mit 100 geschlachteten Kühen auch noch im langjährigen Schnitt, sagt Geschäftsführer Simon Mangard. Der August hingegen schert komplett aus: Die Zahlen sind in der vergangenen Woche deutlich gestiegen.
„Panikverkäufe“ wegen Futtermangels: Viehpreise sinken
„Derzeit sind wir circa bei 60 bis 65 Stück die Woche Großvieh. Das ist gut das zweieinhalb bis dreifache wie im letzten Jahr oder die letzten Jahre im selben Zeitraum Anfang August“, berichtet er. In der Regel steigen die Schlachtzahlen nämlich erst im September, also dann, wenn die Tiere von der Alpe ins Tal zurückkehren.
Viele Schlachtungen vorgezogen
Heuer werden allerdings viele Verkäufe vorgezogen. Das liegt daran, dass viele Tiere früher von der Alpe zurückkehren, weil es dort an Wasser und Futter mangelt. Für die Landwirte heißt das, dass sie schon früher als sonst die Wintervorräte verfüttern müssen. Reicht das nicht aus, muss zugekauft werden. Das gestaltet sich heuer allerdings schwierig.
Einerseits ist das Futter aufgrund der Trockenheit in ganz Europa knapp, andererseits ist es genau deswegen auch extrem teuer. Viele Landwirte sehen sich darum gezwungen, ihren Viehbestand zu reduzieren. „Es ist ja real, dass viel weniger Futter da ist. Und das führt natürlich auch zu Panikverkäufen“, sagt Mangard.
Preisdruck steigt weiter
Weil viele gleichzeitig verkaufen, sei der Preis in den vergangenen Wochen gesunken. „Aufgrund der Annahme, dass die Preise weiter sinken, will natürlich jeder jetzt noch früher die besseren Preise mitnehmen anstatt dann im Herbst die Tiere zu verschenken oder vielleicht gar nicht mehr an den Mann zu bringen“, erklärt er.
Mangard geht nicht davon aus, dass sich an der Situation so schnell etwas ändert. Die Zahlen werden im September wohl gleich hoch bleiben. „Das wird sich nicht in den nächsten drei bis vier Wochen eingependelt haben. Das wird so weitergehen bis in den frühen Herbst, wenn sich die Wettersituation nicht spürbar ändert.“
Viehhändler sprechen von doppelt so vielen Schlachtungen
Ländle Vieh Vermarktung wickelt etwa ein Drittel aller Kuhschlachtungen in Vorarlberg ab. Ein kleiner Teil wird auch über Ab-Hof-Vermarktung oder Metzgereien abgewickelt. Dort werden in der Regel aber eher jüngere Tiere geschlachtet. Die Schlachtung von älteren Kühen, die jetzt vermehrt verkauft werden, läuft größtenteils über private Viehhändler.
Wie ein Rundruf des ORF Vorarlberg gezeigt hat, haben sich die Zahlen dort im Schnitt ebenfalls verdoppelt. Ein Viehhändler spricht sogar davon, im vergangenen Jahr im August etwa zehn bis höchstens 20 Kühe pro Woche zum Schlachthof gefahren zu haben, heuer seien es an die 100 Kühe wöchentlich.
Engpass könnte drohen
Früher oder später würden diese gehäuften Schlachtungen jetzt im August ein Nachspiel haben, fürchtet Mangard. „Irgendwann wird es umschlagen. Dann wird es ein Verfügbarkeitsproblem geben.“ Wenn jetzt mehr Kühe wie sonst geschlachtet werden, werden in Zukunft auch weniger Tiere da sein, die geschlachtet werden können. „Irgendwann wird es tendenziell zu einem Engpass kommen, wo weniger da ist wie in normalen Jahren“, sagt Mangard.