In zwei Wochen übernimmt Walter Bitschnau das Kommando in der Stadtpolizei Bludenz. Die bisherige interimistische Leiterin Berchtold-Niedermesser, die sich ebenfalls für den Chefposten beworben hatte, ging leer aus und fühlt sich benachteiligt. Wie die „Neue am Sonntag" berichtete, hat sie sich deshalb an Landesvolksanwalt Klaus Feurstein gewandt. Dieser bestätigte der Zeitung, den Fall nun zu prüfen.
Seit Jahrzehnten bei der Stadtpolizei
Berchtold-Niedermesser arbeitet seit 1991 bei der Stadtpolizei in Bludenz, seit 2022 war sie Stellvertreterin des Kommandanten und seit 2025 führt sie die Dienststelle. Die 54-Jährige sieht sich gleich doppelt benachteiligt: als Frau und möglicherweise auch wegen ihrer politischen Vergangenheit. 2020 kandidierte sie auf der SPÖ-Liste von Mario Leiter, der zweimal gegen den amtierenden Bürgermeister Simon Tschann (ÖVP) bei den Wahlen scheiterte. Berchtold-Niedermesser war eine Periode lang für die SPÖ Mitglied der Stadtvertretung.
Nun stellt sie sich offenbar die Frage, ob die Besetzung des Chefpostens der Stadtpolizei unter anderem auch politisch motiviert gewesen ist, berichtete die „Neue am Sonntag“.
Führungserfahrung gefordert
Die Ausschreibung für den Posten bei der Stadtpolizei in Bludenz verlangte unter anderem „mehrjährige Exekutivdienst- und Führungserfahrung" sowie „Erfahrung in der Erstellung und Bearbeitung von Verordnungen und Bescheiden" – Qualifikationen, die Berchtold-Niedermesser vorweisen kann. Bei ihrem Mitbewerber Bitschnau ist das laut „Neue am Sonntag" weniger eindeutig: Der Bundespolizist unterrichtet seit knapp zehn Jahren an der Polizeischule und gibt als Führungserfahrung die Tätigkeit als Einsatzleiter bei Großveranstaltungen an. Die Stadt Bludenz betont dennoch, dass er die geforderten Voraussetzungen erfülle.
Der Stadtrat stimmte schließlich mit einer Mehrheit von ÖVP und FPÖ für Bitschnau als Stadtpolizeichef. Und das Amt der Stadt Bludenz weist den Vorwurf zurück, dass die politische Vergangenheit oder das Geschlecht von Berchtold-Niedermesser etwas mit der Entscheidung zu tun gehabt habe. Die Entscheidung habe auch nicht Bürgermeister Tschann allein getroffen, sondern er habe den Stadtrat beizogen.
Offenbar Anwaltsschreiben verschickt
Berchtold-Niedermesser soll bereits vor der endgültigen Entscheidung von ihren schwindenden Chancen erfahren und daraufhin mit einem scharfen Anwaltsschreiben an Tschann reagiert haben. Das könnte am Ende aber laut Bericht der „Neuen am Sonntag“ ebenfalls bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt haben.