Für die Beratungsstellen ist der Anstieg bei den Beratungen ein positives Zeichen, weil mehr Betroffene Hilfe in Anspruch nehmen. Denn es gilt: Viele von Gewalt betroffene Frauen suchen nicht sofort Hilfe. Oft wenden sie sich erst mit zeitlicher Verzögerung an Frauenzentren oder den 24-Stunden-Frauennotruf.

Bewusstsein führt zu mehr Kontakten

Dieser verzeichnet derzeit deutlich mehr Anrufe. Das müsse aber nicht bedeuten, dass es mehr Gewalt gibt, sagt Laura Wimmer vom Frauenservice Wien: „Was wir aus der Vergangenheit von unserer Arbeit wissen, ist, dass so steigende Beratungskontakte oft mit steigendem Bewusstsein und mit Sensibilisierung zusammenhängen.“

Durch Bewusstseinskampagnen oder die Berichterstattung über Beratungsangebote würden sich mehr Menschen melden. Bei den Themen ändert sich nichts: „Die Themenfelder, mit denen sich Frauen an unseren Frauennotruf wenden, sind sehr oft das Thema psychische Gewalt, aber natürlich auch körperliche und sexualisierte Gewalt“, so Wimmer.

Anstieg bei Annäherungsverboten

Auch in der Zahl der Annäherungs- und Betretungsverbote zeigt sich ein Anstieg. Während die ersten Monate auf dem Niveau des Vorjahres waren, zeigt sich seit April ein Anstieg. Im Juni des heurigen Jahres wurden 441 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen und damit rund 100 mehr als im Juni 2025.

Zusammenhang mit Fußball-WM nicht nachweisbar

Einen Zusammenhang mit der kürzlich zu Ende gegangenen Männer-Fußballweltmeisterschaft sieht Wimmer nicht. In England zeigen Statistiken, dass rund um Spiele des englischen Männerfußballteams die Zahl der Fälle von Gewalt an Frauen steigt. „In Gewaltbeziehungen reicht für den Gefährder immer ein (oft nichtiger) Grund, um Gewalt auszuüben. Allerdings senkt Alkohol die Hemmschwelle und so kann es in Zusammenhang mit Großevents und Alkoholkonsum zu vermehrten Übergriffen kommen.“

Auch andere Einrichtungen melden auf Anfrage des ORF Wien mehr Klientinnen, darunter die Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt, die Frauenzentren des Österreichischen Integrationsfonds und die Wiener Frauenhäuser.