Mehrere Dutzend Einsatzkräfte und Statisten inszenierten ein dramatisches Unfallszenario: Die Lichter im Tunnel waren aus, mehrere Autos sind gegen die Tunnelwand gekracht. Aus einem demolierten Pkw, der mitten auf der Fahrbahn auf dem Dach lag, hing ein regloser Fahrer. Andere schrien im Dunkeln nach Hilfe oder klopften gegen verklemmte Autotüren.

Schreckensszenario durchgespielt

„Wir haben im Tunnel tatsächlich alle Einsatzkräfte zur Hand, von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr bis hin zur ASFINAG“, erklärte ASFINAG-Übungsleiterin Nicole Reeh. Die regelmäßige Wiederholung solcher Tunnelübungen sei besonders wichtig, weil „die Unfälle tatsächlich steigen und sich auch sehr viel ändert“.

In Österreich sind derartige Trainings alle vier Jahre gesetzlich verpflichtend, wenn ein Tunnel über einen halben Kilometer lang ist. Der Kaisermühlentunnel ist mit über zwei Kilometern einer der längsten Autobahntunnel Wiens.

Einsatzübung im Tunnel

Einsatzübung im Tunnel

Laut Reeh legen die Einsatzkräfte das Übungsszenario selbst fest. Damit reagiere man auch auf neue technische Entwicklungen, etwa bei der Einsatzausrüstung. Zudem gebe es beispielsweise immer mehr Elektroautos, die Helferinnen und Helfer vor neue Herausforderungen stellen würden.

Kommunikation muss geübt werden

Die unterschiedlichen Einsatzkräfte würden zwar bereits täglich zusammenarbeiten, erklärte Lukas Schauer von der Berufsfeuerwehr Wien. Tunnelunfälle seien allerdings nichts Alltägliches. Daher sei das Training im über zwei Kilometer langen Kaisermühlentunnel „eine sehr, sehr wertvolle Übung“.

Ähnlich sieht das Michael Baci von der Berufsrettung Wien: „Das ist ein sehr hoher Kommunikationsaufwand, und das muss man einfach üben.“ Grundsätzlich seien alle Organisationen autonom, würden aber anhand von Alarmplänen arbeiten. „Da ist inhaltlich definiert, wo wir uns treffen.“ Die Einsatzkräfte könnten auch „behördenübergreifend über den Behördenfunk kommunizieren“.

Im Realfall schlagen zunächst die Verkehrsmanagementzentralen Alarm, sobald Kameras Unfälle oder Brände feststellen, und informieren die Einsatzkräfte.

Einsatzkräfte entscheiden, wer zuerst gerettet wird

Im Testszenario sicherte die Feuerwehr nach Einfahrt der Löschfahrzeuge die Einsatzstelle zusammen mit Polizei und ASFINAG, inklusive Brandschutz, wie Schauer erklärte. Danach hätten die Einsatzkräfte entschieden, welche Personen sie zuerst aus den Pkws befreien und an die Rettung übergeben sollten. „Nachdem alle Personen aus den Fahrzeugen befreit worden sind, passiert eine Unfallaufnahme durch die Polizei.“

Danach mussten die demolierten Fahrzeuge in Abstimmung mit Polizei und ASFINAG aus dem Tunnel entfernt werden. Die ASFINAG reinigte abschließend die Fahrbahn und gab sie frei.