Österreichweit gehen 3,4 Prozent der spendenfähigen Bevölkerung zur Blutspende. In Wien spenden sogar nur 1,7 Prozent regelmäßig Blut. „Es ist ein weltweites Phänomen, dass in großen Ballungsräumen weniger Menschen Blut spenden“, so Simon Gänsdorfer, Leiter der Blutspende für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. „Wir wissen, ein großer Faktor, Blutspenden zu gehen, ist es, Freunde und Familie zu treffen. Das gelingt am Land besser, weil da ist es ein Event für die Gemeinschaft.“

Besonders in den Sommermonaten, wenn viele Menschen in den Urlaub fahren oder die warmen Temperaturen Freizeitaktivitäten im Freien begünstigen, nimmt die Spendenbereitschaft ab. Dabei sind Blutkonserven für den täglichen medizinischen Betrieb unerlässlich. Sie werden insbesondere für Operationen, die Behandlung von Krebspatienten, Geburten und Notfälle benötigt.

Voraussetzungen und Ausschlusskriterien

Erlaubt ist die Blutspende für Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren, wobei Erstspender nicht älter als 60 Jahre sein dürfen. Ausschlussgründe sind unter anderem gesundheitliche Probleme, frische Piercings oder Tätowierungen. Auch stillende Frauen sind von der Blutspende ausgeschlossen. Die Spender müssen zudem die deutsche Sprache beherrschen, um den Prozess sicher und klar zu gestalten.

Deutschland hat die Altersgrenze nun angehoben – das sieht Gänsdorfer kritisch. „Es scheint schon sinnvoll zu sein, eine Grenze zu ziehen. Daten deuten darauf hin, dass mit zunehmendem Alter auch der Stoffwechsel langsamer wird und das Nachbilden nicht mehr so gut funktioniert.“ Auch bei der Sprache will das Rote Kreuz nicht lockern: „Das hat Gründe, dass der Fragebogen durchaus wichtig ist für den Spenderschutz bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme, aber auch für den Empfänger-Schutz.“ Deshalb müssten die Fragen einwandfrei verstanden werden.

Simon Gänsdorfer, Leiter der Blutspende für Wien, im Interview

Im Sommer sinkt traditionellerweise die Bereitschaft, Blut zu spenden. Allein in Wien macht dieser Rückgang seit Ferienbeginn 15 Prozent aus. Allerdings werden auch in der warmen Jahreszeit Konserven benötigt – eine Anhebung der Altersgrenze kommt für das Rote Kreuz allerdings nicht in Frage, heißt es im „Wien heute“-Interview.

„Babyboomer“ bald zu alt für Blutspende

Die neue Blutspendeverordnung habe die Spendefrequenz allerdings zusätzlich herabgesetzt. „Zusätzlich sehen wir auch demografische Effekte. Die Generation der Babyboomer, die sehr treue und häufige Blutspender sind, werden auch älter und kommen langsam in die Blutspendepension. Sie werden eher zu Blutempfängern, so dass wir eigentlich mit einem steigenden Bedarf in den nächsten Jahren rechnen“, so Gänsdorfer.

Da eine Blutkonserve nur 42 Tage haltbar ist, müssen die Vorräte stetig aufgefüllt werden. Die Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) auf der Wieden in Wien liefert wöchentlich 2.500 Blutkonserven an 60 Krankenhäuser in der Region. Der größte Abnehmer ist das AKH. Ein Lagerpuffer für zwei bis drei Wochen wird angestrebt, um Versorgungslücken zu vermeiden. Deshalb ruft Gänsdorfer dringend zum Spenden auf: „Es muss das Ziel sein, mehr Menschen zum Blutspenden zu bekommen.“