Ende Mai ist das Lueger-Denkmal an seinen Standort zurückgekehrt, Anfang Juni wurde es zugänglich gemacht – leicht schief. Das ist das Resultat des Projekts „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ von Klemens Wihlidal, das die Bronzestatue des wegen seines Antisemitismus umstrittenen früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (1844-1910) um 3,5 Grad gekippt hat. Nach langem Hin und Her war das der Weg, den die Stadt Wien zur Kontextualisierung gewählt hat.
Keine Videoüberwachung
Nur wenige Wochen später ist das Denkmal erneut Zielscheibe von Beschmierungen geworden. Wiederum ist rote Farbe zu sehen, zudem prangt der Schriftzug „Shame!“ am Sockel. Denn trotz einer Historie an Beschmierungen in der Vergangenheit gab es für das „neue“ Denkmal weder Polizeischutz noch Videoüberwachung. „Ich glaube, wir können der Gesellschaft vertrauen, dass sie das erst mal auf sich wirken lässt“, so Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler (SPÖ).
Bereits Anfang Juli hatte es einen ersten Zwischenfall gegeben: Der jüdische Künstler Alon Ishay nahm eine „Umgestaltung“ vor und wurde dabei von der Polizei angezeigt und von Passanten antisemitisch beschimpft und angegriffen. Zu dem Polizeieinsatz kam es, nachdem der Künstler im Rahmen eines Festivals der Universität für Angewandte Kunst auf dem Denkmal „Schande“-Kleber angebracht und mit wasserlöslicher Sprühkreide Fußabdrücke auf dem Boden appliziert hatte.
Vandalismus im Steinmetzbetrieb
Die Bronzefigur war Anfang des Jahres nach jahrelangen Diskussionen zwecks Restaurierung und Kontextualisierung abgebaut worden. Sogar im mit der Restaurierung beauftragten Steinmetzbetrieb in Niederösterreich wurde sie von Unbekannten stark beschädigt. Im März 2026 war bekannt geworden, dass sich die zunächst kommunizierten Kosten für das Projekt von 500.000 Euro auf über 770.000 Euro gesteigert hatten.
Seit Ende Mai ist die Statue wieder an ihrem Platz, seit Anfang Juni erneut zugänglich. Kritik am Vorgehen kam immer wieder unter anderem von der Jüdischen Hochschülerschaft (JÖH), die sich gegen eine „feige Lösung“ aussprach.