Die Auszeit-WG nahm im Juli in Simmering ihren Betrieb auf. Sie ist als letzte Station für wiederholt straftätige Intensivtäter gedacht. Das Projekt sorgt jedoch seit Monaten für Kritik. Der Bezirk fühlt sich übergangen, Fachleute sehen gravierende Mängel und bezweifeln die Erfolgsaussichten. Mager hält dennoch an dem Projekt fest. „Ich habe das selbst erlebt. Kinder haben Autos gestohlen, sich und andere Menschen in dieser Stadt gefährdet. Mit den freiwilligen Angeboten funktioniert es nicht, eine Änderung zu bewirken“, schilderte Mager.
Die Kritik könne er zwar nachvollziehen, „aber was aus meiner Sicht bisher gefehlt hat, ist eine Unterbrechung, also dass Kinder für eine gewisse Zeit intensiv begleitet werden.“ Ziel der Auszeit-WG sei eine zeitlich begrenzte intensive Betreuung, um den Betreuungsbedarf der Kinder besser einschätzen und anschließend passende Unterstützungsangebote bereitstellen zu können.
Nach Fenstersturz: Kontrollen sollen verschärft werden
Für Aufsehen sorgt derzeit auch ein Vorfall in einer Wohngemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe. Eine Zwölfjährige sprang im Zuge einer Übersiedlung in eine andere Einrichtung offenbar aus Verzweiflung aus einem Fenster im ersten Stock und erlitt Knochenbrüche. Der Vorfall wird nun geprüft – mehr dazu in Mädchen sprang aus betreuter WG: Prüfung; (wien.ORF.at, 29. Juli 2026).
Mager zeigte sich darüber überrascht: „So ein Sprung hätte gar nicht möglich sein dürfen“, meinte er. Fenster müssten in den Einrichtungen so gesichert sein, dass sie gekippt, nicht aber ganz geöffnet werden können. Die betroffene Wohngemeinschaft sei inzwischen geschlossen. „Wir müssen uns auf jeden Fall anschauen, wie oft wir dort kontrolliert haben“, so Mager. Künftig soll bei Kontrollen verstärkt darauf geachtet werdem, dass Sicherheitsvorgaben, etwa bei Fenstern, eingehalten werden.
Neuer Leiter der MA 11 im Interview
Mager verteidigt die Auszeit-WG und kündigt strengere Kontrollen in WGs an
Erste Erfolge bei Orientierungshilfe
Parallel zur Auszeit-WG setzt die Stadt seit Oktober auf ein weiteres Angebot für besonders auffällige Kinder. Bei der sogenannten Orientierungshilfe treffen Sozialarbeiter des Vereins „Rettet das Kind“ die Kinder drei Mal pro Woche. Ohne Zwang, etwa bei Sportaktivitäten, soll Vertrauen aufgebaut und ein weiteres Abrutschen in die Kriminalität verhindert werden.
Derzeit werden laut Stadt 14 Kinder betreut. Ein Bub hat die Betreuung bereits abgeschlossen, nachdem er seit einem Jahr keine Straftaten mehr begangen hat. Bei zwei weiteren Jugendlichen wurde der Betreuungsumfang reduziert, weil sie seit vier Monaten straffrei geblieben sind. Sechs der 14 Kinder besuchen inzwischen wieder regelmäßig die Schule.
Fachkräftemangel bleibt Herausforderung
Auch die wiederholte Kritik der Volksanwaltschaft an überfüllten Krisenzentren und langen Aufenthalten von Kindern führt Mager vor allem auf den Fachkräftemangel zurück. „Auch mir dauert die Versorgung von Kindern in Krisenzentren in vielen Fällen zu lange“, gab der ehemalige Sozialarbeiter zu.
Mager kündigte an, die Probleme rasch angehen zu wollen. Als weitere Schwerpunkte nannte der neue Leiter der MA 11 die Modernisierung der veralteten Software der Kinder- und Jugendhilfe sowie Initiativen, um mehr Pflegeeltern zu gewinnen und auszubilden.