Im Pensionssystem sitzen Frauen und Männer zwar im selben Boot. Finanziell herrscht allerdings ein Ungleichgewicht. In der Pension führt das dazu, dass Frauen viel mehr armutsgefährdet sind. In Wien beträgt die monatliche Alterspension für Frauen durchschnittlich 1.834 Euro brutto, für Männer liegt sie bei 2.527. Ein Unterschied von 693 Euro und damit deutlich geringer als im Österreichschnitt, wo der Unterschied bei rund 1.000 Euro liegt.

60 Prozent der Beratungen mit Frauen

Das wirkt sich aus, wie die Caritas in ihrer Sozialberatung in der Mommsengasse feststellt. „Es kommen auch immer mehr ältere Frauen zu uns in die Beratung, wo es um Dinge geht, wie sich den täglichen Lebensbedarf leisten zu können, Ausgaben für die Miete bezahlen zu können oder die laufenden Energiekosten“, sagte die Leiterin der Einrichtung, Doris Anzengruber.

Von den rund 11.000 Personen pro Jahr, die bei der Caritas-Sozialberatung Hilfe suchen, sind fast 60 Prozent Frauen. Vielen fehlt schon in jungen Jahren die Möglichkeit, sich eine ausreichende Pension zu erarbeiten, so Anzengruber. „Als Caritas fordern wir schon lange eine bessere Kinderbetreuung, die verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit es nicht zu Altersarmut kommt später.“

Frauen bei Versicherungszeiten benachteiligt

Politisch gibt es noch viel zu tun, damit dieses Ungleichgewicht zu Lasten der Frauen in der Pension verringert wird, sagte der Leiter der Abteilung Sozialversicherung in der Wiener Arbeiterkammer, Wolfgang Panhölzl. Frauen seien bei Versicherungszeiten strukturell benachteiligt, weil sie den Großteil der Care-Arbeit, also Kindererziehung und Pflege von Angehörigen, leisten.

„Sie sind strukturell beim Einkommen benachteiligt, weil typische Frauenbranchen wie Handel, Reinigung oder auch Dienstleistungsberufe wie Friseurinnen schlecht bezahlt sind. Hinzu kommt noch, dass Frauen eine sehr hohe, unfreiwillige Teilzeitquote haben“, so Panhölzl. Kurzfristig fordert die Arbeiterkammer eine Verbesserung der Anrechnung der Kindererziehungszeiten.

70-Jährige lebt seit zwei Jahren ohne Heizung

Wie dramatisch das Problem für manche Frauen im Alter ist, zeigt eine aktuelle Beratung in der Caritas-Sozialberatung. „Ich habe diese Woche eine 70-jährige Dame beraten. Die hat seit zwei Jahren keine Heizung und kein Warmwasser. Deswegen ist sie nicht zu uns gekommen, sondern sie ist gekommen, weil sie jetzt Angst hat, die Miete nicht mehr bezahlen zu können“, sagte Anzengruber.