Am Mittwochabend wird es in Wien ungewöhnlich dunkel: Der Mond schiebt sich vor die Sonne und erzeugt die stärkste partielle Sonnenfinsternis seit 1999. Ab 19.22 Uhr geht es los, ihren Höhepunkt erreicht die Sonnenfinsternis dann um 20.13 Uhr – nur eine Minute vor dem Sonnenuntergang um 20.14 Uhr. In Teilen Spaniens, Islands und Grönlands ist sogar eine totale Finsternis zu sehen.
Die Finsternis ist in Wien zwar zu einem großen Teil zu sehen, der Blick auf die Sonne hängt aber stark vom Standort ab. Ideal sind Plätze mit freier Sicht Richtung Westen und möglichst wenig Hindernissen am Horizont. Geeignet sind etwa die Steinhofgründe, der Kahlenberg oder der Cobenzl.
Finsternis nur mit Schutz
Wer das Naturschauspiel beobachten möchte, braucht einen geeigneten Augenschutz. Direkt in die Sonne zu schauen, kann zu schweren Augenschäden führen – auch eine normale Sonnenbrille bietet keinen ausreichenden Schutz. Ebenfalls ungeeignet sind Hausmittel wie etwa Gläser oder CDs.
Benötigt werden spezielle Finsternisbrillen: Beim Kauf sollte auf eine entsprechende Zertifizierung nach ISO 12312-2 geachtet werden. Erhältlich sind die Brillen etwa Astronomiefachgeschäften oder bei Optikern. Beim Kauf muss man jedoch flink sein – manche Filialen in der Stadt melden bereits, dass ihre Vorräte aufgebraucht sind.
Damit alle Interessierten das Spektakel unter sicheren Bedingungen beobachten können, hat das Planetarium der Wiener Volkshochschulen (VHS) eigene Finsternisbrillen, sogenannte „Solar Viewer“, produziert. Die Solar Viewer sind gratis an der Kassa des Planetariums zu den Öffnungszeiten erhältlich und nur, solange der Vorrat reicht.
Finger weg von der Bastel-Brille
Experten des Planetarium Wien raten stark davon ab, eigene Finsternisbrillen zu basteln. Die Folie, die für die Brillengläser der Finsternisbrillen verwendet wird, kann man zwar kaufen, jedoch ist sie sehr empfindlich: Durch einfache Berührungen oder den Kontakt mit Schweiß kann sie sich auflösen und schon kleine Risse oder Löcher stellen eine große Gefahr dar.
Eine sicherere Alternative seien jedoch sogenannte „Lochkameras“. Dabei wird die Sonne auf weißes Papier projiziert, sodass man nicht direkt in die Sonne blickt. Von allen Methoden, bei denen direkt in die Sonne geschaut wird, wird hingegen dringend abgeraten.
Public Solar-Viewing mit der VHS
Wer die Finsternis gemeinsam mit anderen beobachten möchte, hat in Wien mehrere Möglichkeiten. Die Volkshochschulen bieten beispielsweise zwei Veranstaltungen an: Während das Viewing bei der Urania bereits voll ist, gibt es noch freie Plätze für das Viewing am linken Ufer der Neuen Donau, Höhe Reichsbrücke/Copa Beach.
Die Sonnenfinsternis kann hier jedoch nur bis ca. 19.50 Uhr beobachtet werden, da die Sonne dann hinter den Wienerwaldhügeln untergeht. Die Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich und der Eintritt ist frei. Bei den jeweiligen Veranstaltungen der VHS werden auch die eigens entwickelten Solar-Viewer der VHS gratis verteilt.
Weitere Solar-Viewings in der Stadt
Auch die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie lädt gemeinsam mit dem Österreichischen Astronomischen Verein am Mittwoch ab 19.00 Uhr auf die Sophienalpe in Penzing zur Beobachtung und zum Fotografieren ein. Aufgrund der extremen Trockenheit und der damit verbundenen Waldbrandgefahr findet das Event aber nur unter „eingeschränkten Bedingungen“ statt. Man beschränkt sich auf das gemeinsame Beobachten mit eigenen Geräten: Besucherinnen und Besucher werden daher gebeten, eigene Teleskope oder Brillen mitzunehmen.
Eine weitere Möglichkeit bietet zudem die Aussichtsterrasse des Donauturms in 150 m Höhe. Dort werden ebenso kostenlose Schutzbrillen ausgegeben – solange der Vorrat reicht. Das Turm-Café auf 160 m Höhe und das Restaurant auf 170 m Höhe sind bis 22.30 Uhr geöffnet. Für die Aussichtsterrasse gilt der reguläre Eintrittspreis von 18 Euro für Erwachsene.
Wer keine Möglichkeit hat, die Finsternis im Freien zu beobachten, kann sie auch online verfolgen. Und zwar nicht nur die partielle, sondern sogar die totale Finsternis. Die Europäische Weltraumorganisation ESA überträgt die totale Sonnenfinsternis live aus dem Observatorio Astrofísico de Javalambre in Teruel in Spanien.
Von der Sonnenfinsternis zum Sternenregen
Auch nach der Sonnenfinsternis lohnt sich noch ein Blick in den Nachthimmel. In der Nacht auf den 13. August erreicht der Meteorstrom der Perseiden seinen Höhepunkt und sorgt somit für besonders viele Sternschnuppen.