Während bei Anfechtungsklagen einige Vergleiche erzielt wurden, sind Haftungsansprüche gegen frühere Manager und Aufsichtsräte weiter ungeklärt. Bei den Anfechtungen, mit denen Zahlungen der Signa Development kurz vor Insolvenzeröffnung rückabgewickelt werden sollen, erzielte die Insolvenzverwalterin Andrea Fruhstorfer bisher rund 13 Mio. Euro.

Weitere 24 Mio. Euro wurden mit neun Klagen am Handelsgericht Wien geltend gemacht. Fünf der Verfahren wurden laut dem Bericht, der der APA vorliegt, mittlerweile durch Vergleiche beendet, allerdings über verhältnismäßig kleine Forderungssummen.

Finanz siegte auch in zweiter Instanz

Offen ist weiterhin der Ausgang im Verfahren gegen die Republik Österreich bzw. das Finanzamt für Großbetriebe. Hier verlor die Masseverwalterin Ende Jänner auch in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Wien. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs steht noch aus. Es geht dabei um Steuerzahlungen von rund 12,4 Mio. Euro, die vor Insolvenzeröffnung geflossen waren.

Eine Rückzahlung von über 3,9 Mio. Euro sowie acht Mio. Euro Schadenersatz verlangt die Insolvenzverwalterin von der Signa-Beratungsgesellschaft TPA. Im Herbst sollen dazu eine Tagsatzung stattfinden und ein Prozessprogramm festgelegt werden. Aktuell gibt es dazu auch außergerichtliche Vergleichsgespräche. Ein weiteres Verfahren läuft derzeit gegen die RAG-Stiftung, wo es um mehr als 3,2 Mio. Euro geht.

Verhandlungen mit Ex-Vorständen

Auch die außergerichtlichen Vergleichsgespräche mit ehemaligen Vorständen, Aufsichtsräten und Beratern im Zusammenhang mit Haftungsansprüchen sind noch im Gange. Hier ist der Vorwurf, die Beteiligten hätten falsche Entscheidungen getroffen oder die schon absehbare Insolvenz ignoriert. Über Inhalt und Stand der Verhandlungen wurde Stillschweigen vereinbart.

Im Herbst soll die nächste Gesprächsrunde stattfinden. Die außergerichtlichen Gespräche sollen jahrelange Gerichtsverhandlungen und erhebliche Verfahrenskosten vermeiden. Sollte es bis spätestens Oktober keine Lösung geben, will die Insolvenzverwalterin die Ansprüche allerdings gerichtlich einklagen.

Verkauf einiger Immobilien noch offen

Auch aus der Verwertung von Immobilienprojekten will die Masseverwalterin noch Geld für die Gläubiger hereinholen. Die Signa Development verfügt über Beteiligungen in Österreich, Deutschland, Italien und Luxemburg. Seit Insolvenzeröffnung wurden fast ein Dutzend Immobilien verwertet. Zuletzt wurde im Frühjahr 2026 etwa das Hotel Andaz Vienna am Belvedere für 92 Mio. Euro verkauft, wobei 25 Mio. Euro an die Signa Development zurückgeflossen seien. Für ein Grundstück in der Muthgasse 1a in Wien liege derzeit ein nicht verbindliches Angebot der Stadt Wien über 9,7 Mio. Euro vor, welches noch vom Gemeinderat abgesegnet werden müsse.

Liegenschaften in Wolfsburg und Bozen

In Deutschland sei der Verkaufsprozess über ein Grundstück in Wolfsburg mit einer vermietbaren Fläche von rund 10.200 Quadratmetern gestartet. Der ursprünglich angedachte Verkauf eines anderen Grundstücks in Wolfsburg an VW, auf dem sich ein Bistro für VW-Beschäftigte befindet, sei unterdessen aufgrund der schlechten Marktlage in der Automobilindustrie derzeit „nicht wahrscheinlich“.

Bei zwei Grundstücken im norditalienischen Bozen wartet die Insolvenzverwalterin unterdessen noch auf neue Raumordnungskonzepte der Stadtregierung. Für eine Liegenschaft am Weingartenweg, einer sehr guten Wohngegend von Bozen, seien bereits Verkaufsgespräche im Gange.

„Sehr konstruktiver“ Austausch mit SoKo Signa

Die Quote für die Gläubiger hänge weiterhin vom Ausgang der Anfechtungs- und Haftungsansprüche sowie vom Verkaufserlös des Immobilienportfolios abzüglich Transaktions- und Verfahrenskosten der Insolvenzabwicklung ab, heißt es im Zwischenbericht.

Darüber hinaus befinde sich die Insolvenzverwalterin in einem „sehr konstruktiven“ Austausch mit den zuständigen Staatsanwälten und Bundeskriminalbeamten der SoKo Signa. Es sei davon auszugehen, dass es zu weiteren Sachverhaltsdarstellungen kommen wird, heißt es im aktuellen Zwischenbericht der Insolvenzverwalterin.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt im Zusammenhang mit der Pleite des Immobilienkonzerns inzwischen zu mehr als einem Dutzend Sachverhalten.