Die 1959 in Eisenstadt geborene Kriz-Zwittkovits gründete 1986 ihr erstes Handelsunternehmen und eröffnete kurz darauf ein Kosmetikinstitut in Wien, für das sie auch die Meisterprüfung ablegte. 2020 stieg sie zur Vizepräsidentin der Wiener Wirtschaftskammer auf.

Jetzt übernimmt Kriz-Zwittkovits die Präsidentschaft von Walter Ruck, der vergangene Woche im Zuge der Affäre um geleakte Gesprächsprotokolle zurückgetreten war. Ruck wird etwa mit der Aussage zitiert, Kriz-Zwittkovits habe auf seinen „Befehl“ hin auf eine neuerliche Spitzenkandidatur für die ÖVP Döbling verzichtet – zugunsten von Rucks Sohn Alexander.

„Ich war schon gewissermaßen erschüttert über die Aussagen“, gab Kriz-Zwittkovits im Interview zu. Aber: Ihr Mandat sei ohnehin ausgelaufen, meinte sie: „Es war für mich damals schon klar, dass ich nicht als Spitzenkandidatin antreten möchte.“ Mit Ruck habe sie über die widersprüchlichen Versionen bisher nicht gesprochen.

Rucks Rücktritt war „unausweichlich“

Das in den Protokollen kolportierte Zitat Rucks, in dem er sich wenig schmeichelhaft über die SPÖ-Finanzstadträtin Barbara Novak äußerte, bezeichnete Kriz-Zwittkovits ursprünglich als „flapsigen Sager“. Aus heutiger Sicht sehe sie die Angelegenheit „schon kritischer“. „Solche Aussagen habe ich von Ruck im persönlichen Umgang nicht gekannt“, so die neue WK-Wien-Chefin. Der Rücktritt Rucks sei „unausweichlich“ gewesen.

Ihre eigene Bestellung zur Präsidentin kam überraschend zustande: Sie sei rund eine halbe Stunde vor einer Präsidiumssitzung gebeten worden zu kommen, dort sei sie gefragt worden, ob sie die Nachfolge übernehmen wolle: „Und ich habe ‚Ja‘ gesagt.“ Als neue Präsidentin kündigte Kriz-Zwittkovits einen anderen Führungsstil an: mehr direkten Kontakt zu Unternehmerinnen und Unternehmern, mehr Vernetzung zwischen den Fachabteilungen der Kammer sowie mehr Offenheit und Transparenz.

Kriz-Zwittkovits im Interview mit ORF-Wien-Chefredakteur Ortner (Langversion)

Im Interview kündigte sie einen neuen Führungsstil an

Pflichtmitgliedschaft als „Basis für Solidargemeinschaft“

Inhaltlich müsse man künftig vor allem die Ansiedlung von Betrieben und Unternehmenszentralen in Wien forcieren. „Auch im touristischen Bereich gibt es Nachjustierungsbedarf“, sagte Kriz-Zwittkovits. An der gesetzlichen Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer hält sie fest: „Diese Mitgliedschaft ist die Basis einer Solidargemeinschaft.“ Davon würden auch Einzelunternehmer und Kleinbetriebe profitieren, da viele der Angebote der Wirtschaftskammer sonst nicht leistbar wären.

Zum Verhältnis zur Stadt Wien und zum künftigen Umgang mit der ÖVP, in deren Wiener Landesparteipräsidium Kriz-Zwittkovits selbst neun Jahre saß, kündigte sie Kontinuität an: Die traditionell gute Kooperation mit der Stadtregierung solle weitergehen, gleichzeitig wolle man in der Sache „hart bleiben“.

Spitzenjobs: Ausschreibung „durchaus“ möglich

Eine künftige ÖVP-Regierungsbeteiligung in Wien wäre ihr persönlich „sehr angenehm“, so Kriz-Zwittkovits, die von 2021 bis 2025 als ÖVP-Mandatarin für Döbling im Gemeinderat saß und auch stellvertretende Landesparteichefin unter den ehemaligen ÖVP-Wien-Chefs Gernot Blümel und später Karl Mahrer war. Auf die Frage, ob sie einen ÖVP-Bürgermeister in Wien wolle, antwortete sie knapp: „Diese Frage wird sich nicht stellen.“

Zu einer möglichen verpflichtenden Ausschreibung von Spitzenjobs im Wirkungsbereich der Wirtschaftskammer – etwa bei der Wirtschaftsagentur – zeigte sich Kriz-Zwittkovits gesprächsbereit. Hintergrund ist die Vergabe eines Spitzenjobs bei der Wirtschaftsagentur an den Wiener Ex-ÖVP-Chef Manfred Juraczka, die ohne Ausschreibung geschah und für viel Kritik sorgte. Auch wenn eine Ausschreibung nicht verpflichtend gewesen ist, könnte man eine solche bei künftig frei werdenden Jobs „durchaus anbieten“, so Kriz-Zwittkovits.