Asiatische Tigermücken sind gekommen, um zu bleiben. Mancherorts in Wien entkommt man ihnen gar nicht, da und dort haben sie den heimischen Gelsen bereits den Rang abgelaufen, wie die Expertinnen der AGES bei der Auswertung von Tigermückenfallen feststellen. „Inzwischen haben wir für einzelne Standorte in Wien, wo die Tigermücke die häufigste Art in den Fängen drinnen ist“, sagte Zoologin Karin Bakran-Lebl von der AGES.
Tigermücken-Plage: Wien kämpft ohne Strategie
Seit 2021 sind die aus Südostasien stammenden Tigermücken in Wien heimisch und werden immer mehr. Großflächige Bekämpfungsmaßnahmen wie in Graz, wo das Tigermücken-Vorkommen um 70 Prozent reduziert werden konnte, sind für Wien nicht geplant.
Die ersten Tigermücken wurden 2021 in der Kleingartensiedlung Wasserwiese im Prater nachgewiesen. „Ich leide sehr unter den Tigermücken“, sagte eine Anrainerin. „Am frühen Abend, wenn man draußen ist, wird es dann schon sehr aggressiv“, erzählte ein anderer. Die Mücken würden von der Früh bis spät in die Nacht hinein aktiv sein.
Wasser in Regentonnen und Untersetzern
Mittlerweile ist ganz Wien von den Tigermücken besiedelt, erklärte die AGES, die mehrere Monitoring-Programme am Laufen hat und eine weitere Ausbreitung der Tigermücken und ihrer Brutstätten kommen sieht, trotz Extremhitze. „Wir haben die Blumentopfuntersetzer, wir haben die Regentonnen. Das sind lauter Wasserstellen. Auch wenn es in Wien Dürre gibt, wird es weiterhin dort Wasser geben, weil wir unsere Blumen gießen. Wir haben unsere Regentonne weiter da stehen. Das heißt, es gibt diese künstlichen Gefäße, auch wenn es nicht regnet“, sagte Bakran-Lebl.
Tigermücken können zwar tropische Virus-Erkrankungen übertragen, die Wahrscheinlichkeit, hierzulande zu erkranken, hält die AGES-Expertin für sehr gering. „Denn dazu müsste erst einmal der Erreger nach Wien kommen. Das kann durch Reiseverkehr passieren. Dann müsste eine von den Wiener Tigermücken diesen Reiserückkehrer stechen und dann noch einmal eine weitere Person stechen.“
Aufwand in Wien zu groß
Eine Geburtenkontrolle wird in Graz versucht. Dabei werden Tigermücken-Männchen ausgesetzt, die zuvor in einem Labor sterilisiert worden sind. Für Wien ist das nicht geplant, heißt es vom Gesundheitsdienst der Stadt Wien. „Der Einsatz sterilisierter Tigermücken-Männchen wird aus mehreren Gründen von Expert*innen nicht als Lösung für die Großstadt angesehen. Dazu gehören Aufwand, Ausdehnung (412 Quadratkilometer) und hohe Bevölkerungsdichte der Großstadt Wien, Etablierung der Tigermücke und laufender Eintrag durch den Fernverkehr der Durchzugsstraßen.“