Besonders dramatisch sei eine Situation im Frühjahr gewesen, berichtet das Ö1-Morgenjournal: Als im Verhandlungssaal das Video einer brutalen Prügelattacke gezeigt wurde, lachten jugendliche Zuhörer. Sie wurden des Saals verwiesen und beschimpften daraufhin unflätig und sexuell konnotiert den Richter und die Mutter des Opfers. Später versuchten sie, wieder in den Gerichtssaal zu kommen und forderten schließlich das Prügelopfer vor dem Gericht zum Kämpfen auf.

Vorfälle nicht neu, aber höhere Intensität

Das sei ein besonders ungewöhnlicher, aber kein Einzelfall gewesen, bestätigte Christina Salzborn, Sprecherin des Straflandesgerichts. „Dass es eben zu Vorfällen kommt vor dem Verhandlungssaal, das ist sicher ein Novum. Dass es da teilweise auch zu Einschüchterungsversuchen kommt oder eben auch Beschimpfungen – der Ton ist sicher rauer geworden, das muss man zugeben.“

In der Vergangenheit gab es mitunter Gerichtsverhandlungen, bei denen die Justiz die Polizei zuziehen musste, da man wusste, dass es sonst zu problematischen Situationen kommen könnte. Aufgrund der neuen Situation ersuchte Gerichtspräsident Friedrich Forsthuber nun um höhere Polizeipräsenz.

Insider: Jugendliche oft aus betreuten WGs

Unter den Störenfrieden sind laut Gerichtsinsidern oft Jugendliche aus betreuten Wohngemeinschaften, etwa unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Syrien. Die Gerichtssprecherin sagt: „Das sind teilweise Freunde, das sind teilweise Familienmitglieder, Gruppen, auch Personen, die nicht angeklagt werden können, weil sie noch nicht strafmündig sind.“

Das Gericht reagiert auch mit Hausverboten. „Es gibt die Möglichkeit, Hausverbote zu verhängen, wenn Personen jemanden bedroht haben, strafbares Verhalten gesetzt haben. Davon wird auch Gebrauch gemacht“, sagte Salzborn. „Wenn jemand negativ auffällt, ist nach einer Abmahnung auch die Verhängung einer Ordnungsstrafe möglich.“