Für aktuelle Hitzespitzen mit 40 Grad seien Wiens Gebäude schlecht gerüstet, so der Experte für Bauphysik und Bauökologie an der TU Wien im „Wien heute“-Interview. Die Baustandards beruhen auf historischen Klimadaten und passiven Hitzeschutz. Künftige Richtlinien sollen stärker Klimaprognosen berücksichtigen, um Gebäude auf kommende Entwicklungen auszulegen.
Klimaanlagen kühlen zwar die Wohnung, geben aber die entzogene Wärme und zusätzliche Abwärme auch nach außen ab. „Wenn wir sehr, sehr viele Klimaanlagen haben und wenn man das auf eine gesamte Stadt im Prinzip verbreitet, dann habe ich das Problem, dass ich dann auch diese Stadt warm mache“, erklärte Jan-Philipp Richtmann. Das passiere bereits im globalen Süden. Berechnungen von Klimaforschern haben etwa ergeben, dass Paris sich in einer Nacht um ein bis zwei Grad aufheizen könnte, wenn man sehr viele Klimaanlagen in der gesamten Stadt verbauen würde.
Hitzeschutz an der Fassade sinnvoll
Sinnvoller sei es zuerst auf außenliegenden Sonnenschutz zu setzen, wie Jalousien oder Rollläden. Das spare zudem Kosten und Strom.
Altbauten mit dicken Wänden puffern Wärme laut dem Experten nur begrenzt. Aber auch bestehende Gebäude können nachhaltig gekühlt werden. Der Experte empfiehlt eine Maßnahmen-Hierarchie: „Dass man zuerst bei der außen liegenden Fassade beginnt, mit einem Schutz, dass überhaupt erst einmal keine Wärme ins Gebäude kommt und dann möglichst mit regenerativen Quellen, Wärmepumpen oder eben sogar sehr gut effizienten Klimageräten das Gebäude kühlt.“
Bauphysiker und Bauökologe Jan-Philipp Richtmann von der TU Wien im Gespräch
. Der Experte spricht sich in „Wien heute“ dafür aus, zunächst mit dem Hitzeschutz an der Fassade zu beginnen.
Im Idealfall könne man Bauteile verwenden in Verbindung mit einer Art Erdwärmeanlage, weil dann könne man sowohl heizen als auch kühlen. Es gebe natürlich sehr, sehr viele Möglichkeiten, aber man werde sich für das für jedes Gebäude eine spezifische Lösung ansehen müssen, betont Richtmann.