Das ging aus einer Unternehmensmitteilung vom Montagabend hervor. Beide Standorte sollen verkauft werden. Für die betroffenen Mitarbeitenden in Heiligenkreuz, wo noch rund 300 Menschen arbeiten, gelte ein bestehender Sozialplan.
Verkauf des Standorts geplant
Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing Gruppe, erläuterte im Gespräch mit der APA, dass es um einen Verkauf des Standorts im Burgenland geht. „Lenzing wird sich aus Heiligenkreuz zurückziehen und versuchen, dass der Standort mit einem neuen Eigentümer weiter besteht.“ Die Suche beginne „morgen“ und könne „erfahrungsgemäß binnen einiger Monate“ abgeschlossen sein, hoffte der Manager. Aus England ziehe man sich mit dem Aus in Grimsby zurück, bestätigte Kasperkovitz.
Reaktionen der Mitarbeiter auf die Entscheidung
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Lenzing in Heiligenkreuz stehen unter Schock. Einige wussten am Dienstagmorgen bei Schichtantritt noch gar nichts von der Unternehmensentscheidung.
Für Betriebsrat und Belegschaft kam die Entscheidung als Schock. Niemand habe damit gerechnet, sagte der Betriebsratsobmann der Arbeiter, Philipp Perl – mehr dazu in Schock für Lenzing-Mitarbeiter.
„Land wird Mitarbeiter nicht im Stich lassen“
Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) versicherte am Montagabend, dass das Land den Standort und die Mitarbeiter des Werks in Heiligenkreuz „nicht im Stich lassen wird“. Bei der Entscheidung handle es sich um eine „für das Südburgenland schmerzhafte Weichenstellung der Konzernverantwortlichen“, die politisch nicht zu beeinflussen sei, bedauerte Doskozil. Er habe ein ausführliches Gespräch mit Kasperkovitz gehabt. Dabei sei versichert worden, dass die Produktion bis Jahresende gesichert sei und möglicherweise darüber hinaus fortlaufen könnte, „sofern es für einen geordneten Übergang und eine Fortführung in neuer Konstellation hilfreich ist“. Diesen Zeitraum werde das Land nutzen, um an einer nachhaltigen Lösung zu arbeiten. Der Landeshauptmann betonte, dass alles unternommen werde, um eine „verlässliche und positive Perspektive für die Region und die betroffenen Arbeitnehmer zu schaffen“.
Die FPÖ-Landtagsabgeordneten Rudolf Smolej und Michelle Whitfield fordern einen runden Tisch unter Einbindung aller politischen Kräfte, der Arbeiterkammer und Wirtschaftsexperten. Es brauche einen konkreten, transparenten Rettungsplan für die Arbeitsplätze.
ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits sprach in einer Aussendung ebenfalls von einer „dramatischen Nachricht“: „Ein Sozialplan allein ist dafür keine ausreichende Antwort. Jetzt muss alles darangesetzt werden, diese Arbeitsplätze und den Standort zu sichern.“
Die Nachricht aus Heiligenkreuz treffe das Südburgenland hart, so die Klubobfrau der Grünen, Margit Paul-Kientzl. Jetzt zähle rasches und gemeinsames Handeln. Man unterstütze alle Bemühungen des Landes, schnellstmöglich einen tragfähigen Nachfolger für den Standort zu finden.
Bis Ende 2027 weltweit um etwa 2.000 Stellen weniger
Die Mitarbeiterzahl von weltweit 7.700 Vollzeitäquivalenten (Ende 2025) werde bis Ende 2027 deutlich sinken, hieß es in der Aussendung. Kasperkovitz sagte der APA, es geht bis dahin um etwa 2.000 Stellen, die es weniger werden sollen. Es handle sich aber keineswegs um ein Schließungs- und Cost-Cutting-Programm im Zuge der neuen Strategie, verwies der Lenzing-Chef auf das Vertrauen in die Pläne durch die Aktionäre und weitere Finanzierende, die bis zu 600 Mio. Euro frisch geben. Auch der Hauptsitz in Lenzing in Oberösterreich werde aufgewertet.
Bis zu 600 Mio. Euro frisches Geld für Neuausrichtung
Die Einsparungen werden nämlich von den Lenzing-Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie von der Oberbank unterstützt. Die Firma hat durch die Pläne, die Teil einer strategischen Neuausrichtung sind, eine „umfassende Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern“ erreicht.
Zur Stärkung der Finanzstruktur will Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten in Höhe von bis zu 300 Mio. Euro durchziehen, für die es eine Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung, die voraussichtlich am oder um den 25. August 2026 stattfindet. Dazu bringen die neuen Finanzierungsvereinbarungen bis zu 300 Mio. Euro. Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten wurden bis 2030 verlängert.