Für die betroffenen Mitarbeitenden in Heiligenkreuz im Burgenland, wo im Moment noch 285 Leute arbeiten, gelte ein existenter Sozialplan. Man sucht einen Käufer, um möglichst viele Jobs zu erhalten – mehr dazu in Lenzing lässt Faserproduktion auslaufen.
Lenzing-CEO: „Sind an Vorgaben und Regeln gebunden“
Zu der Tatsache, dass die Beschäftigten am Standort in Heiligenkreuz erst aus den Medien erfahren haben sollen, sagt Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz am Vormittag gegenüber dem ORF Oberösterreich: "Ich verstehe, dass die Nachricht für viele schockierend war. Die Lenzing ist ein börsennotiertes Unternehmen, wir sind an bestimmte Vorgaben und Regeln gebunden. Unmittelbar nach der Entscheidung durch den Aufsichtsrat mussten wir eine Ad-Hoc Meldung absetzen und konnten erst dann an die Beschäftigten kommunizieren.“
Man wolle verantwortungsbewusst gegenüber den Mitarbeitern handeln, die die Jobs verlieren – mehr dazu in Schock für Lenzing-Mitarbeiter. „Derzeit führen wir konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die notwendigen Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Sozialpläne und geltenden lokalen Rahmenbedingungen.“
Lenzing schließt Standort: 300 Arbeiter betroffen
In Heiligenkreuz soll Faserhersteller Lenzing seinen Standort schließen und verkaufen. Rund 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind betroffen. Beim Hauptsitz in Oberösterreich seien aktuell keine Änderungen geplant. Das Unternehmen besitzt mehrere Produktionsstandorte auf der Welt.
Suche nach neuem Eigentümer, Rückzug aus England
Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing Gruppe, erläuterte außerdem gegenüber der APA, dass es konkret um einen Verkauf des Standorts im Burgenland geht. „Lenzing wird sich aus Heiligenkreuz zurückziehen und versuchen, dass der Standort mit einem neuen Eigentümer weiter besteht.“ Die Suche beginne „morgen“ und könne „erfahrungsgemäß binnen einiger Monate“ abgeschlossen sein, hoffte der Manager. Aus England ziehe man sich mit dem Aus in Grimsby zurück, bestätigte Kasperkovitz.
Kasperkovitz: „Es ist eine Vorwärtsstrategie“
Zudem würde es sich nun um Maßnahmen handeln, um die Lenzing nachhaltig erfolgreich zu machen. „Es ist ja nicht nur Mitarbeiter-Abbau und Kostenkürzung, sondern es ist auch ganz gezielt Investition in Innovation und in den Kapazitätsausbau am Standort in Lenzing. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, es ist eine Vorwärtsstrategie, um die Lenzing profitabler und erfolgreicher zu machen. Die Produktion im Faser- und Zellstoffbereich hier Lenzing ist eine sehr erfolgreiche und die werden wir weiter ausbauen“, so der CEO.
Betriebsrat: „Wichtig, dass niemand resigniert“
Im Stammwerk in Lenzing war die Stimmung am Dienstag jedenfalls gedämpft. Am Vormittag gab es unter anderem ein Treffen zwischen Belegschaft und Management. „Die Stimmung ist angespannter, als ich dachte. Viele fragen sich natürlich: Wie geht es jetzt bei uns am Standort in Lenzing weiter? Mir ist wichtig, dass niemand resigniert“, sagt Helmut Kirchmair, Vorsitzender des Arbeiterbetriebsrates.
Doskozil ortet „schmerzhafte Weichenstellung für das Südburgenland“
Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) versicherte am Montagabend, dass das Land den Standort und die Mitarbeiter des Werks in Heiligenkreuz „nicht im Stich lassen wird“. Bei der Entscheidung handle es sich um eine „für das Südburgenland schmerzhafte Weichenstellung der Konzernverantwortlichen“, die politisch nicht zu beeinflussen sei, bedauerte Doskozil. Er habe ein ausführliches Gespräch mit Kasperkovitz gehabt – mehr dazu in Doskozil: Übernahme von Lenzing-Werk vorstellbar.
Bis Ende 2027 weltweit um etwa 2.000 Stellen weniger
Die Mitarbeiterzahl von weltweit 7.700 Vollzeitäquivalenten (Ende 2025) werde bis Ende 2027 deutlich sinken, hieß es in der Aussendung am Montagabend. Kasperkovitz sagte auf Nachfrage, es gehe bis dahin um etwa 2.000 Stellen, die es weniger werden sollen.
Es handle sich beim Werk in Heiligenkreuz aber keineswegs um ein Schließungs- und Cost-Cutting-Programm im Zuge der neuen Strategie, verwies der Lenzing-Chef auf das Vertrauen in die Pläne durch die Aktionäre und weitere Finanzierende, die bis zu 600 Mio. Euro frisch geben.
Bis zu 600 Millionen Euro frisches Geld
Die Einsparungen werden von den Lenzing-Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie von der Oberbank unterstützt. Die Firma habe durch die Pläne, die Teil einer strategischen Neuausrichtung sind, eine „umfassende Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern“ erreicht.
Zur Stärkung der Finanzstruktur will Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten in Höhe von bis zu 300 Mio. Euro durchziehen, für die es eine Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung braucht, die voraussichtlich am oder um den 25. August 2026 stattfinden soll. Dazu bringen die neuen Finanzierungsvereinbarungen bis zu 300 Mio. Euro. Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten wurden bis 2030 verlängert.
Als Teil dieser Standortkonsolidierung erwartet die Lenzing AG, im Jahr 2026 Wertminderungen auf langfristige Vermögenswerte, insbesondere auf Sachanlagen, in Höhe von bis zu 150 Mio. Euro zu erfassen. Diese nicht zahlungswirksamen Wertminderungen (Abschreibungen) werden voraussichtlich das Konzern-EBIT sowie das Konzernergebnis 2026 negativ beeinflussen, haben jedoch keine Auswirkungen auf das EBITDA im Jahr 2026.
Achleitner: „Setzen alles daran, dass Hauptstandort bleibt“
„Lenzing ist ein oberösterreichischer Leitbetrieb. Der Konzern steckt in einem Transformationsprozess. Klar ist, dass wir alles daran setzen, dass dieser Hauptstandort in Lenzing weiterhin bleibt und gestärkt wird. Das ist auch die Aussage des Konzernchefs“, sagt Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) am Rande eines anderen Pressetermins am Dienstagvormittag.