Die Nachricht von der geplanten Schließung des Lenzing-Standorts in Heiligenkreuz sei eine dramatische Botschaft für das Land, sagte Doskozil Dienstagmittag in einem ORF-Burgenland-Interview – mehr dazu auch in Lenzing lässt Faserproduktion auslaufen und Schock für Lenzing-Mitarbeiter. Lenzing sei im Südburgenland ein Motor für Beschäftigung und für die Region. Das Burgenland stehe Gewehr bei Fuß und habe bereits Gespräche mit Vertretern von Lenzing gesucht. „Wir sind bereit hier das Unsere beizutragen“ und auch operativ dafür zu sorgen, dass das Werk weitergeführt werden könne, sagte Doskozil.

LH Doskozil zur Zukunft des Lenzing-Werks in Heiligenkreuz

Man werde natürlich versuchen, gemeinsam mit dem Management vor Ort Investoren zu finden, erklärte Doskozil: „Aber wir haben auch keine Angst davor, hier Verantwortung zu übernehmen.“ Auf die Frage, ob das die komplette Übernahme des Werkes bedeute, antwortete Doskozil: „Bevor es zugesperrt wird, ist es keine Frage. Dann werden wir uns engagieren müssen, wenn wir an den Standort glauben. Und wir glauben an den Standort. Wir glauben an die Mitarbeiter und wir glauben an das Produkt.“

Lenzing-Vorstand: Wollen profitabler werden

Der Vorstand des börsenotierten Faserherstellers Lenzing informierte am Dienstagvormittag über die Pläne in Heiligenkreuz und über die künftige Strategie. Weltweit baut der Konzern 2.000 Jobs ab. „Wir wollen und müssen profitabler werden“, sagte Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing Gruppe – mehr dazu in Kasperkovitz: „Verstehe, dass die Nachricht schockierend war“. Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Heiligenkreuz gelte ein Sozialplan.

Lenzing sucht für das Werk einen Käufer, der möglicherweise auch die Arbeitsplätze halten soll. Auf die Frage, wie optimistisch man diesbezüglich sei, sagte Kasperkovitz: „Wir probieren nichts, was nicht funktionieren könnte. Ich glaube, das lässt sich sehr schwer beurteilen zum jetzigen Zeitpunkt.“ Findet sich kein Käufer, werde die Produktion mit Ende des Jahres heruntergefahren.

Lenzing begann 1997 mit der Faserproduktion in Heiligenkreuz – unterstützt durch Förderungen des Landes und der Europäischen Union. Jetzt will sich der Konzern wegen der großen Konkurrenz aus Asien unabhängiger vom Textilgeschäft machen. Umsatzbringer sollen künftig zu je einem Drittel Textilfasern, Vliesstoffe und Zellstoffe sein. Potenzial sieht der Konzern in Hygiene-Celluloseprodukten wie Wegwerfwindeln, Wattepads oder Feuchttüchern, die aus pflanzlichen Zellstoffen produziert werden.

Wirth warnt vor Schnellschuss

Auch Wirtschaftskammerpräsident Andreas Wirth sprach am Dienstag von einer „erschreckenden Nachricht“. Gemeinsam mit der Politik solle nun auf Sozialpartnerebene eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Man dürfe keinen Schnellschuss machen. Man habe noch bis zum Jahresende Zeit, „damit wir schauen können, was können wir dort ansiedeln, wie können wir attraktive Rahmenbedingungen schaffen, damit wir schnellstmöglich hier auch diese Mitarbeiter versorgen und vor allem diesen Wirtschaftsstandort nicht schwächen.“

Noch wisse man nicht, welche Auswirkungen die Entscheidung auf die Zulieferbetriebe haben werde. Das seien Speditionsbetriebe, welche ebenfalls in Heiligenkreuz angesiedelt seien. „Das müssen wir noch ausloten und hier brauchen wir dringend Lösungen“, forderte Wirth.

Michalitsch: Schlag ins Gesicht der Beschäftigten

AK-Präsident Gerhard Michalitsch sprach von einem Schlag ins Gesicht der Beschäftigten und der lokalen Werksleitung, die immer wieder mit viel Fleiß und Innovation versucht hätten, den Standort abzusichern und voranzubringen. Ebenso wie die AK Burgenland stünden auch die zuständigen Fachgewerkschaften PRO-GE und GPA den Betriebsrätinnen und Betriebsräten und allen Beschäftigten mit Unterstützung zur Seite.

Im Mittelpunkt stehe nun die Hoffnung, dass ein Investor für das Werk gefunden wird. Alternativ werde man dafür kämpfen, das Beste für die Beschäftigten herauszuholen.

IV: „Es braucht gestärkten Industriestandort“

Die kurzfristige Unterstützung des Landes sei zu begrüßen, sagt Matthias Unger, Vizepräsident der Industriellenvereinigung Burgenland. „Ziel muss es allerdings sein, einen zukunftsträchtigen Neustart unter privater Führung zu sichern. Es braucht dafür einen gestärkten Industriestandort, sonst geraten weitere Unternehmen im Burgenland zunehmend unter Druck.“