Die allgemeine Zunahme bei den Einbürgerungen in fast allen Bundesländern lässt sich mit den starken Flüchtlingsjahren 2015 und 2016 erklären. Damals kamen besonders viele Menschen aus Syrien und Afghanistan nach Österreich. Nach zehn Jahren Aufenthalt in Österreich kann der Antrag für eine Staatsbürgerschaft gestellt werden. Viele stellten diesen Antrag im Vorjahr. Weil die Beschaffung aller notwendigen Dokumente und die Bearbeitung bis zu einem Jahr dauern können, gibt es heuer den Anstieg bei neuen Staatsbürgern.
Anzahl der Einbürgerungen in Kärnten fast verdoppelt
In Kärnten gibt es die größte Steigerung an Einbürgerungen von allen Bundesländern. Hier bekamen bis Ende Juni 418 Menschen die Staatsbürgerschaft. Das sind um 93 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damals waren es 217 Personen. Für die Kärntner Einwanderungsbehörde sei das ein statistischer Ausreißer, das Jahr sei aber noch nicht zu Ende, hieß es.
Laut Statistik Austria wurde die österreichische Staatsbürgerschaft an 13.700 Personen verliehen. Die meisten neuen Österreicher kommen aus Syrien, Afghanistan, Bosnien-Herzegowina und aus Deutschland. Etwa die Hälfte sind Frauen. Nur in Oberösterreich gab es einen Rückgang bei den Einbürgerungen.
Reaktionen
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sagte, er sehe eine „alarmierende Bilanz des politischen Versagens“. Der Freiheitliche sorgt sich besonders wegen der Herkunftsstatistik: „Wenn Syrer, Türken und Afghanen die Liste anführen, dann sehen wir hier eins zu eins die fatalen Früchte der verantwortungslosen Politik der offenen Grenzen von 2015.“
Gänzlich anders interpretiert die NGO SOS Mitmensch die Zahlen. Trotz des Anstiegs gebe es keine Trendumkehr beim Staatsbürgerschaftserwerb. Die Einbürgerungsrate befinde sich bei lediglich einem Prozent und damit weit unter dem EU-Durchschnitt von 2,6 Prozent. Die Einbürgerungsrate beschreibt das Verhältnis von eingebürgerten Personen zur Gesamtzahl der in einem Land lebenden Ausländer.