Hunderte Einsatzkräfte kämpfen in Spanien gegen die sich schnell ausbreitenden Brände. Zwei der drei Waldbrände westlich von Madrid vereinigten sich am Freitag zu einem Großbrand mit 6.000 Hektar Fläche. Das Feuer drang laut Regierungsangaben in Richtung Navas del Rey rund 50 Kilometer vom Stadtrand von Madrid entfernt vor. Viele Dörfer und Gemeinden wurden bereits evakuiert.

Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez bezeichnete die Situation als „dramatisch“. Sorgen bereitete den Behörden auch das Wetter: Vor allem der Wind erschwere die Löscharbeiten am Freitag, erklärte die Verwaltung der Region Madrid auf X.

Brände: Zehntausende müssen fliehen

In Südeuropa eskalieren die Waldbrände zunehmend. In Spanien ist eine Fläche abgebrannt, die dreimal so groß wie Wien ist.

25.000 Menschen im Großraum Madrid auf der Flucht

Wegen der Brände riefen die spanischen Behörden den „Notstand von nationaler Tragweite“ aus. Dabei wurde das operative Kommando von einer militärischen Kriseneinheit übernommen. Zudem steht mit der Ausrufung des Notstands mehr Geld zur Verfügung.

Rund 25.000 Menschen wurden im Großraum Madrid in Sicherheit gebracht, 20.000 wurden dazu aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. 43 Häuser wurden laut dem spanischen Sender RTVE zerstört.

In der nordwestlich davon gelegenen Region Avila wurden etwa 1.600 Anrainerinnen und Anrainer in Sicherheit gebracht. In mehreren Gemeinden bedrohten die Flammen sogar das Zentrum. Laut RTVE könnten sich der bereits zusammengewachsene Brand vor Madrid und jener in Avila vereinen.

Französische Halbinsel Cap-Ferret vollständig evakuiert

Auch die Waldbrände auf der französischen Halbinsel Cap-Ferret im Departement Gironde nahe Bordeaux breiten sich weiter unkontrolliert aus, Medienberichten zufolge mussten innerhalb von zwei Tagen rund 44.000 Menschen von dort in Sicherheit gebracht werden, darunter viele Touristinnen und Touristen.

Frankreich: Zehntausende müssen Brandgebiet verlassen

Die französische Halbinsel Cap-Ferret wurde aufgrund der Brände vollständig evakuiert.

Laut Innenminister Laurent Nunez waren insgesamt etwa 1.000 Feuerwehrleute bei dem Großbrand, der schon über 19.000 Hektar zerstörte, im Einsatz. Behördenangaben zufolge mussten zahlreiche Feuerwehrleute medizinisch versorgt werden.

In den Spitälern der Region Gironde wurden laut der französischen Tageszeitung „Ouest-France“ Notfallpläne aktiviert. Nunez bezeichnete den Brand als das „größte Feuer der Saison“. Bisher seien mindestens 80 Häuser durch Flammen beschädigt, 50 davon vollständig zerstört worden. Ausgelöst wurde der Brand laut französischen Medien bereits am Dienstag durch ein Mähfahrzeug.

Über 100 Häuser in Landes zerstört

Besonders dramatisch ist die Situation auch im südlich von Gironde gelegenen Departement Landes. Dort wurden laut den örtlichen Behörden über 100 Häuser durch das Feuer zerstört. Auch in Landes mussten 23.000 Menschen mit Hilfe der Behörden fortgebracht werden. Etwa 700 Feuerwehrleute kämpften dort gegen das Feuer.

Unterdessen bekämpften Feuerwehrleute im an Italien angrenzenden französischen Departement Hautes-Alpes einen Brand in einem Naturschutzgebiet. Dort wurden mindestens 240 Hektar Land zerstört.

Das in den Alpen liegende Gebiet ist teilweise schwer zugänglich, weshalb der Brand noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Auch im Departement Var östlich von Marseille waren Hunderte Feuerwehrleute wegen eines in der Nacht wiederaufgeflammten Brandes im Einsatz.

Hohe Temperaturen, starker Wind und die Trockenheit der Vegetation nach drei Hitzewellen befördern die Ausbreitung der Flächenbrände. Die Gegend an der Atlantikküste ist von Pinienwäldern geprägt, die derzeit ausgetrocknet sind.

Seit Beginn des Jahres wurden in Frankreich mehr als 12.500 Brände verzeichnet. Insgesamt brannten mehr als 44.000 Hektar ab. Damit wurde der bisherige Höchststand von 2022 übertroffen.

EU-Hilfe für Spanien und Frankreich

Spanien und Frankreich lösten bereits den europäischen Zivilschutzmechanismus aus. Die EU kündigte daraufhin an Löschflugzeuge in beide Mitgliedsstaaten zu entsenden. „Für den Moment haben wir vier Canadair-Flugzeuge nach Spanien entsandt“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Nach Frankreich seien drei Flugzeuge und zwei Helikopter der EU-Rettungsflotte geschickt worden. Beide Länder würden zudem mit Satellitenbildern des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu unterstützen.

Manola aus Spanien: „Land steht unter Schock“

ZIB-Korrespondent Josef Manola berichtete über die gravierende Lage in Spanien, wo die Waldbrände das Land zunehmend in einen Notstand versetzen. Leonie Heitz berichtete von einer ähnlich dramatischen Lage in Frankreich.

Die Auslösung des EU-Zivilschutzmechanismus ist Voraussetzung für Hilfe der EU bei Waldbränden. Das Zivilschutzprogramm RescEU verfügt nach eigenen Angaben über 22 Löschflugzeuge und fünf Helikopter sowie einen Pool von 777 Feuerwehrleuten, die in den Regionen und Mitgliedsstaaten stationiert werden, die als besonders gefährdet eingeschätzt werden.