Der französische Innenminister Laurent Nunez erklärte indes, dass sich der große Waldbrand in Richtung der Stadt Bordeaux ausbreitet. Die dortigen Behörden ordneten die Evakuierung von Orten in der Nähe der Stadt „aus Vorsicht“ vor den herannahenden Flammen an. Die Gebiete Le Haillan, Eysines und Merignac würden geräumt, teilte die Leiterin der Lokalverwaltung von Nouvelle-Aquitaine und Gironde, Sophie Brocas, auf X mit.
Im Gespräch mit dem französischen Fernsehsender TF1 sagte Nunez, dass sich der Waldbrand über eine Fläche von 140 Quadratkilometern ausgebreitet habe. „Die Brände, die unser Land heimsuchen, haben ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht“, schrieb Premierminister Sebastien Lecornu am Samstag auf X. Insgesamt werden 1.500 Militärangehörige eingesetzt, um gegen die Flammen zu kämpfen. Zudem werden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region Gironde geliefert, um Einsatzkräfte und Bevölkerung vor dem Rauch zu schützen.
Halbinsel Cap-Ferret vollständig evakuiert
Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie Reisende verließen das Gebiet über die einzige Straße in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon.
Mehr als 800 Menschen erreichten nach Angaben der Stadtverwaltung auf dem Seeweg Arcachon. Etwa 40 der 1.000 Feuerwehrleute, die gegen den Brand bei Cap-Ferret kämpften, wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Ausgelöst wurde der Brand laut französischen Medien bereits am Dienstag durch ein Mähfahrzeug. Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Departement Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.
Heitz: Waldbrände „sind ein historischer Rekord“
ZIB-Korrespondentin Leonie Heitz berichtete über die aktuelle Lage an der französischen Westküste.
Spanien rief erstmals Notstand wegen Waldbränden aus
In Spanien rief die Regierung erstmals den nationalen Notstand wegen Waldbränden aus. Zuletzt mussten rund 70.000 Menschen aus dem Großraum Madrid und der benachbarten Provinz Avila vor den Flammen fliehen. Nach Regierungsangaben breiteten sich die Flammen aufgrund „erheblich“ besserer Bedingungen zuletzt nur noch wenig aus. Aufkommender Wind dürfte den Kampf gegen die Waldbrände im Laufe des Tages aber erschweren. Bei einem Besuch am Samstag an Ort und Stelle sagte Ministerpräsident Pedro Sanchez, vorrangiges Ziel sei es, „Leben zu retten“.
Am Freitag waren zwei große Brände in der Nähe von Madrid zu einem einzigen Großbrand verschmolzen, der bis Freitagnachmittag eine Fläche von 30 Quadratkilometern verwüstet hatte. Die Regionalpräsidentin Isabel Diaz-Ayuso sprach vom schlimmsten Brand in der Geschichte Madrids.
Mann festgenommen
Francisco Martin, der Vertreter der Zentralregierung für die Region Madrid, erklärte, dass weitere 20.000 Menschen angewiesen worden seien, in ihren Häusern Schutz zu suchen. Martin sagte, es könnten weitere Evakuierungen folgen, und die Priorität liege nun auf dem Schutz der Stadt San Lorenzo, dem Standort des Escorial, des königlichen Palasts und Klosters von Philipp II. aus dem 16. Jahrhundert.
Die spanische Guardia Civil nahm einen Mann fest und ermittelt gegen einen weiteren, der verdächtigt wird, in einem Gebiet, in dem das wegen Brandgefahr verboten war, schwere Maschinen eingesetzt zu haben. Die Polizei geht davon aus, dass am Donnerstag ein Funke den Brand ausgelöst hat.
Waldbrände in Frankreich und Spanien
Frankreich und Spanien kämpfen am Samstag weiter gegen anhaltende Waldbrände an: In Frankreich laufen großangelegte Evakuierungen, in Spanien gelten die Flammen laut Behörden teils als kaum noch löschbar.
EU-Hilfe für Spanien und Frankreich
Spanien und Frankreich lösten bereits den europäischen Zivilschutzmechanismus aus. Die EU kündigte daraufhin an, Löschflugzeuge in beide Mitgliedsstaaten zu entsenden. „Für den Moment haben wir vier Canadair-Flugzeuge nach Spanien entsandt“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Nach Frankreich seien drei Flugzeuge und zwei Helikopter der EU-Rettungsflotte geschickt worden. Beide Länder würden zudem mit Satellitenbildern des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu unterstützen.
Die Auslösung des EU-Zivilschutzmechanismus ist Voraussetzung für Hilfe der EU bei Waldbränden. Das Zivilschutzprogramm RescEU verfügt nach eigenen Angaben über 22 Löschflugzeuge und fünf Helikopter sowie einen Pool von 777 Feuerwehrleuten, die in den Regionen und Mitgliedsstaaten stationiert werden, die als besonders gefährdet eingeschätzt werden.