Die Zahl der Militärangehörigen, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten gegen die Brände unterstützen, werde von 1.000 auf 1.500 erhöht, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag nach einer Sitzung des interministeriellen Krisenstabs mit. Generell werde die Zahl der eingesetzten Soldaten „fortlaufend an die jeweilige Lage angepasst“, hieß es in einer Pressemitteilung.
Die Streitkräfte stellen außerdem Spezialausrüstung bereit, darunter Bulldozer, Hubschrauber und Drohnen. Zudem flog ein Militärflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen Löschsystem am Samstagnachmittag seinen ersten Einsatz. Das Militär solle die übrigen Kräfte in dieser „plötzlichen, großen und beispiellosen Krise“ unterstützen, sagte Verteidigungsministerin Catherine Vautrin.
Behörden: Feuer „beispiellosen Ausmaßes“
Die Behörden sprechen von einem Feuer „beispiellosen Ausmaßes“. Da der Wind gedreht hat, breiten sich die Flammen nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus. Innenminister Laurent Nunez erklärte laut der Zeitung „Le Monde“, die Regierung arbeite an allen möglichen Szenarien, einschließlich einer Evakuierung von Bordeaux. Doch setze man alles daran, ein solches Szenario zu verhindern.
Doch ordneten Behörden bereits die Evakuierung von Orten in der Nähe der Stadt „aus Vorsicht“ vor den herannahenden Flammen an, wie es hieß. Die Gebiete Le Haillan, Eysines und Merignac würden geräumt, teilte die Leiterin der Lokalverwaltung von Nouvelle-Aquitaine und Gironde, Sophie Brocas, via X mit. 1,5 Mio. FFP2-Masken wurden in die Region Gironde geliefert, um Einsatzkräfte und Bevölkerung vor dem Rauch zu schützen.
Heitz: „Lage ist extrem angespannt“
ZIB-Korrespondentin Leonie Heitz berichtete über die aktuelle Lage an der französischen Westküste. Die Lage sei „extrem angespannt“.
„Die Brände, die unser Land heimsuchen, haben ein noch nie da gewesenes Ausmaß erreicht“, schrieb Premierminister Sebastien Lecornu auf X. Staatschef Emmanuel Macron versprach indes einen Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden. „Wir werden wiederaufbauen, wir werden reparieren, und wir werden so lange vor Ort bleiben, wie es nötig ist“, schrieb Macron auf X.
Halbinsel Cap-Ferret vollständig evakuiert
Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie Reisende verließen das Gebiet über die einzige Straße in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon. Mehr als 800 Menschen erreichten nach Angaben der Stadtverwaltung auf dem Seeweg Arcachon.
Etwa 40 der 1.000 Feuerwehrleute, die gegen den Brand bei Cap-Ferret kämpften, wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Ausgelöst wurde der Brand laut französischen Medien bereits am Dienstag durch ein Mähfahrzeug. Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Departement Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.
Toter in Region Valencia
In Spanien rief die Regierung erstmals den nationalen Notstand wegen Waldbränden aus. Bei einem Waldbrand in Manises in der Region Valencia kam ein Mann ums Leben, teilte das spanische Innenministerium am Samstag mit. Der Mann wurde nach Angaben der Behörden in einem Auto in einer Schlucht gefunden.
Dieser Brand steht in keinem Zusammenhang mit den Bränden, die westlich von Madrid wüten. Er sei inzwischen unter Kontrolle, erklärte die Stadtverwaltung auf X. Nahe Madrid mussten hingegen rund 60.000 Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen fliehen – das Innenministerium korrigierte frühere Angaben, in denen von 70.000 die Rede war.
In der Provinz Avila, nordwestlich von Madrid, wurden 30.000 Bewohner in Sicherheit gebracht, wie das spanische Innenministerium via X mitteilte. In der Umgebung der Hauptstadt wurden weitere 29.488 Menschen in Sicherheit gebracht. Hinzu kommen laut Innenministerium mehr als 28.000 Menschen, die wegen der Brände ihr Zuhause nicht verlassen können – 20.262 im Großraum Madrid und 8.000 in Avila.
Ausbreitung etwas eingedämmt
Nach Regierungsangaben breiteten sich die Flammen aufgrund „erheblich“ besserer Bedingungen zuletzt nur noch wenig aus. Aufkommender Wind dürfte den Kampf gegen die Waldbrände im Laufe des Tages aber erschweren. Bei einem Besuch am Samstag an Ort und Stelle sagte Ministerpräsident Pedro Sanchez, vorrangiges Ziel sei es, „Leben zu retten“.
Am Freitag waren zwei große Brände in der Nähe von Madrid zu einem einzigen Großbrand verschmolzen, der bis Freitagnachmittag eine Fläche von 30 Quadratkilometern verwüstet hatte. Die Regionalpräsidentin Isabel Diaz-Ayuso sprach vom schlimmsten Brand in der Geschichte Madrids.
Mann festgenommen
Francisco Martin, der Vertreter der Zentralregierung für die Region Madrid, erklärte, dass weitere 20.000 Menschen angewiesen worden seien, in ihren Häusern Schutz zu suchen. Martin sagte, es könnten weitere Evakuierungen folgen, und die Priorität liege nun auf dem Schutz der Stadt San Lorenzo, dem Standort des Escorial, des königlichen Palasts und Klosters von Philipp II. aus dem 16. Jahrhundert.
Die spanische Guardia Civil nahm einen Mann fest und ermittelt gegen einen weiteren, der verdächtigt wird, in einem Gebiet, in dem das wegen Brandgefahr verboten war, schwere Maschinen eingesetzt zu haben. Die Polizei geht davon aus, dass am Donnerstag ein Funke den Brand ausgelöst hat.
Waldbrände in Frankreich und Spanien
Frankreich und Spanien kämpfen am Samstag weiter gegen anhaltende Waldbrände an: In Frankreich laufen großangelegte Evakuierungen, in Spanien gelten die Flammen laut Behörden teils als kaum noch löschbar.
EU-Hilfe für Spanien und Frankreich
Spanien und Frankreich lösten bereits den europäischen Zivilschutzmechanismus aus. Die EU kündigte daraufhin an, Löschflugzeuge in beide Mitgliedsstaaten zu entsenden. „Für den Moment haben wir vier Canadair-Flugzeuge nach Spanien entsandt“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Nach Frankreich seien drei Flugzeuge und zwei Helikopter der EU-Rettungsflotte geschickt worden. Beide Länder würden zudem mit Satellitenbildern des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu unterstützen.
Die Auslösung des EU-Zivilschutzmechanismus ist Voraussetzung für Hilfe der EU bei Waldbränden. Das Zivilschutzprogramm RescEU verfügt nach eigenen Angaben über 22 Löschflugzeuge und fünf Helikopter sowie einen Pool von 777 Feuerwehrleuten, die in den Regionen und Mitgliedsstaaten stationiert werden, die als besonders gefährdet eingeschätzt werden.