In Österreich gibt es insgesamt über 4.700 Feuerwehren mit zusammengenommen knapp 260.000 aktiven Mitgliedern bzw. Beschäftigten. Rund 4.400 davon sind Freiwillige Feuerwehren. „Wir haben in jeder Gemeinde mindestens eine Feuerwehr. Das ist ein Riesenvorteil bei der Eingreifzeit“, sagt Degenhart, Leiter des Sachgebiets Vegetationsbrandbekämpfung & Flugdienst beim ÖBFV, gegenüber ORF.at.
Am Mittwoch warnte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) vor erhöhter Waldbrandgefahr in Österreich, besonders im östlichen Niederösterreich, Teilen Kärntens sowie inneralpinen Trockentälern in Tirol. Das Frühjahr sei das trockenste der Messgeschichte gewesen, hieß es seitens des Ministeriums. Die niederschlagsreiche Zeit im Juni brachte nur kurzzeitig Erholung. Bis Ende Juli wurden laut der Waldbranddatenbank der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien bereits 270 Wald- und Flurbrände verzeichnet, im gesamten Vorjahr waren es 196.
Intensive Ausbildung, Nachrüsten bei Gerät
Die Feuerwehren sieht Degenhart „sehr gut vorbereitet“ auf die erhöhte Waldbrandgefahr. Für Feuerwehrleute gebe es eine intensive und österreichweit einheitliche Ausbildung. Bei den Gerätschaften sei nachgerüstet worden. Viele Freiwillige Feuerwehren verfügen mittlerweile über moderne Fahrzeuge speziell zur Bekämpfung von Vegetationsbränden.
Zudem versuche man laufend, die „Basisausstattung“ der Feuerwehren zu verbessern. Darunter fallen Löschrucksäcke, die es Feuerwehrleuten ermöglichen, rasch auf Brände in unwegsamem Gelände zu reagieren. Erhöht wurde auch die Zahl der Löschwasserbehälter.
Angesichts der Trockenheit in vielen Landesteilen ist die Wasserlogistik großes Thema. Umfangreiche Löscheinsätze können die Trinkwasserversorgung in Gemeinden beeinträchtigen. Um gegenzusteuern, werden mit den örtlichen Wassermeisterinnen und Wassermeistern Konzepte erstellt, so Degenhart. In den vergangenen Jahren ausgeweitet wurde der Einsatz neuer Technologien wie Drohnen. Sie dienen der Überwachung von Brandstellen und helfen beim Aufspüren von Glutnestern.
Brandbekämpfung aus der Luft
Mit Polizei, Bundesheer und privaten Betreibern arbeite man an Konzepten zum schnellen und effizienten Einsatz von Löschhubschraubern, sagt Degenhart. Für Pilotinnen und Piloten laufe derzeit ein E-Learning-Projekt zu Flugtechnik mit Wasserbehältern und Taktiken für den Löscheinsatz.
Die Brandbekämpfung aus der Luft erfolgt in Österreich mittels Hubschrauber. Löschflugzeuge können über den EU-Zivilschutzmechanismus aus anderen Ländern angefordert werden. Zuletzt war das 2021 beim Brand im Gebiet der Rax (Niederösterreich) der Fall. Eigene Löschflugzeuge stehen erst ab 2028 zur Verfügung, wenn das Bundesheer seine neuen Transportflugzeuge von der brasilianischen Firma Embraer erhält. Die KC-390 Millennium kann mit Löschwasserbehältern nachgerüstet werden.
Der Einsatz von Löschflugzeugen sei mit enormem logistischen Aufwand verbunden, sagt Degenhart. So brauche es geeignete Gewässer zur Wasseraufnahme. Hubschrauber müssen während des Löschflugzeugeinsatzes auf dem Boden bleiben. Und gerade in alpinen Gebieten lasse sich mit dem Hubschrauber schneller Wasser an die Brandstelle bringen.
Unterschiede zu Westeuropa
Entscheidend bei der Waldbrandbekämpfung sei das Tempo, so Degenhart. In Tirol gelang es den Feuerwehren so zuletzt, einen Brand im Gaisbachtal rasch einzudämmen. Was passiert, wenn ein Feuer nicht rasch entdeckt wird und die Gegebenheiten – Stichwort Trockenheit – ungünstig sind, habe sich im Frühjahr beim Brand im Kärntner Lesachtal gezeigt. Mehr als 120 Hektar Fläche brannten im April ab. Es war hierzulande der zweitgrößte Waldbrand der vergangenen 40 Jahren, übertroffen nur von jenem auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig (NÖ) 2022.
Die aktuellen Brände in Frankreich und Spanien bewegen sich in einer gänzlich anderen Größenordnung. Allein nahe der Stadt Bordeaux vernichteten die Flammen eine Fläche von 42.000 Hektar. Ein solches Brandereignis erwartet der Waldbrandforscher Harald Vacik von der Wiener BOKU in Österreich nicht.
Ein Faktor sei die große Anzahl an Freiwilligen Feuerwehren. „Dadurch können wir sehr rasch reagieren und Brände klein halten.“ Ein weiterer ist die Vegetation. Durch den höheren Anteil an Kiefernwäldern sei sehr viel Material da, das sich leicht entzünden könne und einen höheren Öl- und Brennstoffgehalt habe, sagt Vacik gegenüber ORF.at. Kommen wie in Frankreich und Spanien starker Wind sowie lange Trockenheits- und Hitzeperioden hinzu, mache das die Brandbekämpfung extrem schwierig.
85 Prozent der Brände vom Menschen verursacht
In Österreich stellen die trockene Frühjahrssaison, geringe Niederschlagsmengen und die Hitzewelle Anfang des Sommers Risikofaktoren für die Entstehung von Waldbränden dar. Das Auftreten von Waldbränden „hängt aber natürlich auch immer von der Zündquelle ab“, sagt Vacik. 85 Prozent der Brände werden von Menschen verursacht, die restlichen 15 Prozent gehen auf natürliche Ursachen zurück.
Ein relevanter Faktor hierzulande ist laut Vacik Blitzschlag. In den Sommermonaten seien teils bis zu 40 Prozent der Vegetationsbrände auf Blitze zurückzuführen. Die Bekämpfung kann eine Herausforderung für die Feuerwehren darstellen. Blitzschlagbrände glimmen oftmals unter der Erde weiter, beim Kontakt mit Sauerstoff könne ein größerer Waldbrand entstehen, erläutert Vacik.
Klimawandel erhöht Risiko
Der fortschreitende Klimawandel erhöhte die Waldbrandgefahr. Vor allem die Wetterextreme „werden sich stark auswirken“, sagt Vacik. Das verstärkte Auftreten von Unwettern kann durch Blitzschlag Auslöser von Waldbränden werden. Auch die länger anhaltenden Hitze- und Trockenheitsperioden haben einen Anteil. Hinzu komme die verlängerte Vegetationsperiode.
Komplexer ist das Verhältnis von Temperaturentwicklung und dem verstärkten Auftreten von Waldbränden. In den südlichen Randalpen Kärntens und Osttirols bestünden „signifikante Zusammenhänge“, sagt Vacik . Betrachte man den gesamten Alpenraum, könne man sie nicht feststellen, „weil es eben ein Zusammenspiel von Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Wind und Temperatur ist“, so der Forscher.