Das spanische Militär wird 60 Soldaten entsenden, um die Polizei in der spanischen Enklave Ceuta zu verstärken. Das teilte das spanische Innenministerium heute mit. Der Grenzübertritt Tausender Migranten aus Marokko habe die örtlichen Polizeikräfte überfordert.

Neun Menschen kamen ums Leben

Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVE zufolge gelangten allein heute zwischen 2.000 und 3.000 meist Jugendliche in die Enklave. Von der Regierung hieß es, dass neun Menschen beim Versuch, nach Ceuta zu schwimmen, ums Leben gekommen seien.

„Totaler humanitärer und sozialer Notstand“

„Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“, sagte der Präsident des Gebiets, Juan Jesus Vivas, heute. Die Aufnahmezentren seien nicht mehr aufnahmefähig. Vivas rief die Zentralregierung in Madrid dazu auf, aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ den Notstand auszurufen.

„Absolutes Chaos“: Tausende Migranten in spanischer Exklave

Innenminister morgen in Ceuta erwartet

Das spanische Innenministerium erklärte, verschiedene Ministerien gingen „koordiniert“ vor, um „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska wolle morgen in das an Marokko grenzende Ceuta reisen, um die Lage zu beobachten und sich mit Behördenvertretern zu treffen.

Die marokkanische Regierung kooperiere eng bei der Bewältigung der Situation. Marokkanische Sicherheitskräfte verhinderten die Ankunft „zahlreicher Menschen“, die versuchten, von Marokko aus Ceuta zu erreichen. Ceuta hat ebenso wie die spanische Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika.

Neues Urteil verunmöglicht sofortige Abschiebung

Hintergrund des sprunghaften Anstiegs ist wohl ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens von Anfang des Monats. Demnach dürfen Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta oder in die andere spanische Nordafrika-Enklave Melilla abgefangen werden, nicht umgehend wieder zurückgeschickt werden.