Laut Betreiber würde die aktuelle Wassermenge zwar zur Kühlung der Reaktorblöcke ausreichen, trotz der extrem niedrigen Pegelstände und Durchflussraten. Doch die Ansaugpunkte der erforderlichen Pumpen lägen höher als der aktuelle und voraussichtlich weiter sinkende Wasserspiegel, sodass sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen könnten.

Es sei in den nächsten 24 bis 72 Stunden daher unvermeidlich, das AKW völlig abzuschalten, was die Einstellung der Stromerzeugung zur Folge habe, hieß es. Laut Magyar bedeute das Abschalten des AKW einen Leistungsausfall von 2.000 Megawatt. Dieser könne jedoch durch Importe gedeckt werden, da die Importkapazität 3.600 bis 3.800 Megawatt betrage, zitierte ihn das Portal HVG. Die Energieversorgung des Landes ist folglich dennoch gesichert.

Reaktorblock 3 bereits abgeschaltet

Zuvor musste das ungarische Kernkraftwerk Paks seinen Reaktorblock 3 bereits komplett vom Netz nehmen und die Leistung von Block 2 auf die Hälfte senken. Laut Aussendung des Betreibers MVM Paks Nuclear Power Plant Ltd. (Paksi Atomeromu Zrt.) vom Donnerstag ist der Wasserpegel der Donau in den vergangenen Stunden weiter gesunken, er stehe aktuell bei minus 112 Zentimetern.

Die Entscheidung sei im Sinne der Aufrechterhaltung des sicheren Betriebs des AKW und der Einhaltung der Vorschriften des Umweltschutzes getroffen worden, heißt es in der Aussendung.

Magyar: Großverbraucher sollen Strom drosseln

Zugleich müssen Großverbraucher ihren Stromverbrauch einschränken. So werden Batterie- und Automobilhersteller ersucht, ihren Stromverbrauch während der Hitzewelle zwischen 17.00 und 22.00 Uhr freiwillig zu drosseln, so Magyar. Die Abschaltung des AKW Paks und ein aufgrund der Hitze erwarteter Anstieg des Strombedarfs um 20 Prozent in den abendlichen Spitzenzeiten könnten bis Montag zu einer „kritischen“ Situation führen, so Magyar.

Kritik am Bau neuer Reaktorblöcke

Paks liefert über die Hälfte des ungarischen Stroms. Gleichzeitig ist der heftig kritisierte Bau von zwei weiteren Reaktorblöcken (Paks II) mittels russischen Darlehens und unter Leitung des russischen Staatskonzerns Rosatom in Planung bzw. Ausführung. Einschlägige Kritik kommt hier von Umweltorganisationen und Nachbarländern. Diese bezieht sich auf die enge Bindung zu Russland und die angespannte Kühlwassersituation an der Donau.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 forderte am Donnerstag einmal mehr ein Ende des Ausbaus von Paks II. Die Abschaltung von Paks zeige, „dass die Klimakrise längst zum Sicherheits- und Verfügbarkeitsproblem für Atomkraft geworden ist“, so Global 2000 in einer Aussendung: „In ganz Europa fallen die Wasserpegel, und damit fehlt den Atomkraftwerken die Kühlung.“ Ungarn müsse in erneuerbare Energien investieren.

Ungarn betreibt seit 1982 in der südungarischen Stadt Paks das von der damaligen Sowjetunion gelieferte Atomkraftwerk. Zwei der vier Blöcke sollen durch die beiden neuen Reaktoren aus der Fertigung von Rosatom ersetzt werden. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme nicht vor Mitte der 2030er Jahre gerechnet.

EuGH beanstandete Verstoß gegen EU-Recht

2017 hatte die Europäische Kommission staatliche Beihilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro für den Bau genehmigt. Die Vergabe des Projektes erfolgte direkt an Rosatom – ohne das vorgeschriebene EU-weite Ausschreibungsverfahren.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2025 in einem Urteil festgestellt, dass diese direkte Vergabe des milliardenschweren Auftrags an Rosatom gegen EU-Recht verstößt. Unter der neuen ungarischen Regierung von Premier Magyar steht Paks II auf dem Prüfstand. Die einschlägigen Verträge des von Russland und Rosatom beherrschten Baus sollen neu bewertet werden.

Auch Österreich und Rumänien betroffen

Von den niedrigen Donau-Wasserpegeln betroffen ist auch Österreich. Florian Seidl, Sprecher des größten österreichischen Wasserkraftwerkbetreibers Verbund, sagte: „Eigentlich sollten wir jetzt das Wasser aus der Schneeschmelze abarbeiten, aber aufgrund der Erderwärmung fällt immer weniger Schnee.“ Beim teilstaatlichen Verbund liegt die Produktion rund 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Auch an fast allen Zubringern zur Donau in Oberösterreich herrscht Wassermangel. Viele der mehr als 4.000 Kleinwasserkraftwerke sind betroffen, mit bis zu 50 Prozent gedrosselter Produktion oder gänzlichem Stopp.

In Rumänien sank der Wasserstand der Donau auf ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Werts. Dort mussten beim Kernkraftwerk Cernavoda beide funktionierenden Reaktorblöcke abgeschaltet werden. Sie erzeugen normalerweise etwa ein Fünftel des Stroms in Rumänien.

Fracht- und Urlauberschiffe eingeschränkt

Der Schiffsverkehr ist aufgrund des Niedrigwassers bereits eingeschränkt. Kreuzfahrten von Passau nach Wien enden vorzeitig. Der österreichische Wasserstraßenbetreiber viadonau warnt auf seiner Website vor den Stellen mit besonders geringer Wassertiefe.

Diese Woche blieb nahe dem rumänischen Donau-Hafen Cetate ein Kreuzfahrtschiff mit fast 240 Menschen an Bord in einer Sandbank stecken. Alle Passagiere konnten in Sicherheit gebracht werden. Frachtschiffe können nur noch teilweise beladen werden und fahren dadurch Verluste ein.

Dürre legt Mammutknochen in Bulgarien frei

In Bulgarien sind durch die enorm niedrigen Pegelstände der Donau ein Kieferknochen und Teile der Stoßzähne eines Mammuts freigelegt worden. Die Knochenteile hätten „sehr wahrscheinlich“ einem Mammut der Eiszeit gehört, so der Direktor des Regionalen Geschichtsmuseums, Nikolay Nenow, der AFP. Sie wurden in der Nähe der Stadt Ruse im Nordosten des Landes im Flussbett gefunden.