Wegen eines historischen Rekordtiefs des Donau-Wasserstandes und damit Kühlwassermangels wird das ungarische Atomkraftwerk Paks völlig vom Netz genommen. Das verkündete Regierungschef Peter Magyar heute, der Betreiber des AKW bestätigte das auf seiner Website.

Es sei in den nächsten 24 bis 72 Stunden unvermeidlich, das AKW völlig abzuschalten, was die Einstellung der Stromerzeugung zur Folge habe, hieß es.

Laut Aussendung des Betreibers MVM Paks Nuclear Power Plant Ltd. (Paksi Atomeromu Zrt.) von heute sank der Wasserpegel der Donau in den vergangenen Stunden weiter, er stehe aktuell bei minus 112 Zentimetern.

Kritik am Bau neuer Reaktorblöcke

Paks liefert über die Hälfte des ungarischen Stroms. Gleichzeitig ist der umstrittene Bau von zwei weiteren Reaktorblöcken (Paks II) mittels russischen Darlehens und unter der Leitung des russischen Staatskonzerns Rosatom in Planung bzw. Ausführung.

Einschlägige Kritik kommt von Umweltschützern sowie -schützerinnen sowie von Nachbarländern. Diese bezieht sich auf die enge Bindung zu Russland und die angespannte Kühlwassersituation an der Donau.

Ungarn betreibt seit 1982 in der südungarischen Stadt Paks das von der damaligen Sowjetunion gelieferte Atomkraftwerk. Zwei der vier Blöcke sollen durch die beiden neuen Reaktoren aus der Fertigung von Rosatom ersetzt werden. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme nicht vor Mitte der 2030er Jahre gerechnet.

Neue Regierung will Revision aller Verträge

2017 hatte die Europäische Kommission staatliche Beihilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro für den Bau genehmigt. Die Vergabe des Projektes erfolgte direkt an Rosatom – ohne das vorgeschriebene EU-weite Ausschreibungsverfahren. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2025 in einem Urteil festgestellt, dass diese direkte Vergabe des milliardenschweren Auftrags an Rosatom gegen EU-Recht verstößt.

Unter der neuen ungarischen Regierung von Premier Peter Magyar steht Paks II auf dem Prüfstand. Die einschlägigen Verträge des von Russland und Rosatom beherrschten Baus sollen neu bewertet werden.