Er habe die Angriffspläne gestoppt, schrieb Trump in der Nacht auf Sonntag auf seiner Plattform Truth Social. „Umrisse einer Einigung“ mit dem Iran seien vereinbart worden. Zuletzt hatte die US-Armee mehrere Tage hintereinander Ziele im Iran aus der Luft und von Kriegsschiffen aus angegriffen. Eine Einigung, von Trump stets „Deal“ genannt, müsse nun schnell erfolgen, forderte der US-Präsident.

Das US-Militär verglich er sprachlich mit einer Waffe, es sei feuerbereit („locked and loaded“, entspricht etwa dem Deutschen „geladen und gesichert“) und bereit für einen Angriff, wie es ihn „seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat“, schrieb Trump. Ein „Deal“ müsse jedenfalls auch eine „komplette Öffnung“ der Straße von Hormus und „ein Ende der vom Iran ausgehenden atomaren Bedrohung“, inkludieren.

Auch Israel werde sich nun an die Vereinbarung halten, den Iran vorerst nicht wieder anzugreifen. Wohl an die Vermittler gerichtet, schob er hinterher: „Macht Euch alle an die Arbeit und erledigt das.“ Einzelheiten zu den angeblichen diplomatischen Fortschritten machte Trump nicht.

Iran bestätigt Gespräche mit Vermittlern

Iranischen Angaben zufolge nahmen Vermittler die Gespräche über eine Wiederbelebung des im Juni geschlossenen und derzeit ausgesetzten Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges am Golf auf. „Ich kann Ihnen sagen, dass derzeit Bemühungen im Gange sind, das 14-Punkte-Abkommen von Islamabad wiederzubeleben, insbesondere seitens der Vermittler“, sagte der iranische Abgeordnete Hassan Ghaschghawi in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview.

Nicht die erste Ankündigung eines „Deals“

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass Trump von einem Durchbruch spricht, der im Nachhinein von anderer Seite dementiert wird oder später an der Realität scheitert. Und nach Durchbruch klingt die iranische Darstellung nicht: „Sie wissen, dass die Hauptfrage die der Straße von Hormus ist“, und es finde derzeit „ein Meinungsaustausch“ zu diesem Thema statt, sagte der Ghaschghawi, der auch Sprecher des Ausschusses für nationale Sicherheit ist.

Die Straße von Hormus sollte bereits infolge des Rahmenabkommens mit dem Iran, das im Juni unterzeichnet worden war, wieder für die internationale Schifffahrt geöffnet werden. Zu einer uneingeschränkten Öffnung kam es aber nie: Nach einer anfänglichen Zunahme des Schiffsverkehrs in der Meerenge wurde dieser durch neue Angriffe zuletzt wieder fast zum Erliegen gebracht.

Die Meerespassage ist für den Export von Erdöl und Erdgas aus den Staaten des Persischen Golfs von entscheidender Bedeutung. Teheran nutzt die faktische Blockade, die zu höheren Weltmarktpreisen führt, als Druckmittel gegen Trump. Das US-Militär blockiert wiederum iranische Exporte auf dem Seeweg, um wirtschaftlichen Druck auf Teheran auszuüben. Erdölexporte sind die wichtigste Einnahmequelle des Machtapparats der Islamischen Republik.

Atomprogramm als große Hürde

Das Rahmenabkommen vom Juni sah auch weitere Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm vor. Insbesondere Israel, aber auch die USA und mehrere andere Staaten beschuldigen den Iran, am Bau von Atombomben zu arbeiten, unter anderem wegen seines Programms zur Anreicherung von Uran. Der Iran dementiert das und besteht auf sein Recht zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Das dürfte die große bzw. vielleicht größte Hürde in den Verhandlungen sein.

Eine angebliche Bedrohung durch das iranische Atomprogramm war eines der Argumente, die Trump als Beweggründe für die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar nannte. Er hatte anfangs gesagt, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern, inzwischen befindet er sich im sechsten Monat. Trotz der am 17. Juni vom Iran und den USA unterzeichneten Absichtserklärung für eine dauerhafte Friedenslösung – diese sollte binnen 60 Tagen ausverhandelt sein – kam es immer wieder zu US-Angriffen und zu Angriffen des Iran auf die Golfstaaten, aber auch auf Jordanien.

„Irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können“

Trump hatte zuletzt am Freitag gedroht, die US-Armee werde den Iran erneut „sehr hart“ angreifen – und „irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können“. Übereinstimmende US-Medienberichte sprachen von einem bevorstehenden Großangriff auf Ziele im Iran, die Energieinfrastruktur eingeschlossen.

Teheran drohte daraufhin mit Gegenangriffen auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Israel und den Staaten am Persischen Golf. Seit Kriegsbeginn reagierte der Iran auf US-Attacken häufig mit Gegenangriffen auf Ziele in den Golfstaaten, in denen es auch US-Militärstützpunkte gibt.

Der iranische Außenminister Abbas Araktschi warnte am Samstag in einem Gespräch mit seinem saudi-arabischen Kollegen Faisal bin Farhan vor einer neuen militärischen Eskalation im Krieg mit den USA. Die schlagkräftigen Streitkräfte seines Landes würden auf jeden Akt der Aggression entschlossen reagieren, schrieb er auf Telegram. Im Fall neuer Angriffe müssten die USA, Israel sowie beteiligte Staaten in der Golfregion die volle Verantwortung dafür tragen. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman soll am Samstag mit Trump telefoniert und ihn zur Deeskalation aufgerufen haben.