Seit Samstagabend tagt ein Krisenstab. Ziel des Angriffs wurde das „Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen“, wie die Regierung des Fürstentums am Sonntagabend mitteilte.
Nach vorläufigen Erkenntnissen habe sich in der Nacht auf Donnerstag (30. Juli) „eine unbekannte Täterschaft widerrechtlich auf digitalem Weg“ Zugriff auf das Verzeichnis verschafft. Im Verlauf des Donnerstags seien beim Amt für Justiz Unregelmäßigkeiten aufgefallen, worauf das Amt für Informatik eingeschaltet worden sei. Dieses habe zur Sicherheit das betroffene System vom Netz genommen.
Regierung wurde am Freitag informiert
Am Freitag schließlich sei die Regierung informiert und am Samstag seien die ersten bestätigten Ergebnisse der Voruntersuchungen an die Regierung übermittelt worden.
Die Leitung des am Samstagabend von der Liechtensteiner Regierung einberufenen Krisenstabes haben Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler, meldete die Nachrichtenagentur sda. Oberstes Ziel sei es, „den Vorfall so rasch wie möglich umfassend aufzuklären, Betroffene zu informieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten“, wie es in einer Mitteilung hieß.
„Bisher keine Lösegeldforderungen“
Nach aktuellem Kenntnisstand bestünden keine Hinweise darauf, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden, schrieb die Liechtensteiner Regierung weiter. In der „Tagesschau“-Hauptausgabe von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sagte Regierungschefin Haas zudem, dass bisher auch keine Lösegeldforderungen eingegangen seien, ebenso wenig seien die Daten im Darknet aufgetaucht.
Am Montag wollte der Krisenstab demzufolge über weitere Entwicklungen informieren.
Anlaufstelle für mögliche Betroffene
Auch Österreicher dürften Stiftungen und Treuhandschaften in Liechtenstein haben. Laut vorarlberg.ORF.at gibt es eine Anlaufstelle, an die sich mögliche Betroffene per Mail wenden können, der Krisenstab will aber aktiv alle Betroffenen informieren – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.
Medial bekannt ist in Österreich die Ingbe-Stiftung im Umfeld der Familie von Ex-Immobilienmagnat Rene Benko. Im Frühjahr hatte der Masseverwalter im Konkursverfahren von Benko, Andreas Grabenweger, eine vorläufige Öffnung zweier Schließfächer der Stiftung erreicht. Darin befanden sich Wertsachen, insbesondere Goldbarren, im Wert mehreren Millionen Euro. Der Rechtsstreit um den Zugriff auf das Geld der Stiftung läuft derzeit noch. Ob die Ingbe-Stiftung vom Datendiebstahl betroffen ist, ist nicht bekannt.