Auslöser ist ein Entwurf aus Westminster für die Vergabe von neuen Schanklizenzen, in dem von „vertikalem Trinken“, also dem Alkoholkonsum im Stehen und dem Bestellen an der Bar, abgeraten wird. Stattdessen soll es mehr Service auf dem Platz geben, so der „Guardian“. Zu Westminster zählt der Ausgehbezirk Soho im Londoner West End, wo es unzählige Lokale, Bars und Theater gibt.
Die neuen Regeln sollen „übermäßigen Alkoholkonsum eindämmen und die Ausstattung mit mehr Sitzplätzen in Lokalen fördern“, heißt es darin. So sollen sich Gäste „hinsetzen, ihr Getränk genießen und Speisen beim Personal bestellen können – anstelle von offenen Barbereichen, die auf ein hohes Volumen vertikalen Trinkens ausgerichtet sind“, zitierte der „Guardian“ weiter aus dem Entwurf.
Kritik von Khan, Regierung verspricht Unterstützung
Kritik übte bereits Londons Bürgermeister Sadiq Khan: „Man kann kein weltberühmtes Ausgehviertel mit der Mentalität eines Gemeindesaals betreiben“, schrieb er auf der Plattform X. Nun will die britische Regierung Khans Befugnisse erweitern, um derartige Regelungen verbieten zu können.
„Belebte Pubs, in denen sich die Leute unterhalten, sind keine öffentliche Belästigung, sondern britisches Leben – und sie sichern Tausende von Arbeitsplätzen", so ein Sprecher des britischen Premiers Andy Burnham. „Die Regierung überträgt dem Bürgermeister neue Befugnisse im Bereich der Genehmigungserteilung, um Pubs und das Nachtleben zu unterstützen. Soho ist nicht dadurch weltberühmt geworden, dass man dort früh die letzte Runde einläutet und um 22.00 Uhr das Licht ausschaltet“, zitierte der „Guardian“ Downing Street.
Philip Kolvin, Anwalt für Lizenzrecht, sagte dem „Guardian“: „‚Vertikales Trinken‘ ist auch soziales Trinken, das es den Menschen ermöglicht, sich nach Belieben zu vermischen und Kontakte zu knüpfen.“ Mit den neuen Vorgaben werde „also vom traditionellen Pub verlangt, sich nicht wie ein traditionelles Pub zu verhalten.“
Lokalpolitiker: Gibt keinen Plan gegen Trinken im Stehen
Paul Swaddle, der konservative Vorsitzende von Westminsters Stadtrat, bestritt, dass die Pläne ein Verbot des „vertikalen Trinkens“ vorsähen. Er sagte gegenüber der Agentur Press Association, dass Medien „verwirrende Berichte“ über den Entwurf veröffentlicht hätten.
„Ich möchte den Menschen Klarheit geben. Es gibt keinen Plan – und es gab auch nie einen –, das Trinken im Stehen in einem Pub in Westminster zu verbieten.“ Eine Einmischung des Londoner Bürgermeisters lehnte Swaddle ab und kritisierte die Stadt im Gegenzug scharf: „Wir brauchen keine Belehrungen vom Rathaus darüber, wie man die Gastronomie unterstützt, wenn dieses die Polizei angewiesen hat, jeden neuen Lizenzantrag abzulehnen – als Lösung zur Eindämmung der Kriminalität im West End.“