Betroffen von der Dürre sind laut Hagelversicherung ganz Österreich und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber regional auch anderes. Allgemein werden höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte befürchtet, wie es bereits letzte Woche von Vertretern der Landwirtschaft hieß.

Der Chef der Hagelversicherung sieht die Lebensmittelversorgung – etwa mit Getreide, Mais, Ölsaaten – in Österreich durch den Klimawandel und die Flächenversiegelung bedroht. In Österreich werde sehr viel wertvoller landwirtschaftlicher Boden verbaut, das sei fahrlässig. Außerdem müssten sich Österreich und die EU an die selbstgesteckten Klimaziele halten, so Weinberger.

„Wir zahlen rasch aus“

Die Hagelversicherung geht davon aus, dass sich der Schaden noch erhöhen könnte. Wenn die hohen Temperaturen bis Ende August anhalten und die Niederschläge ausbleiben, werde sich „das Schadenausmaß klar erhöhen“, sagte der Chef der Hagelversicherung bei einer Pressekonferenz in Wien.

80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind laut Hagelversicherung gegen Dürre versichert. „Die versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung“, sagte der Chef der Hagelversicherung. „Wir zahlen rasch aus. Wir sind ein verlässlicher Partner“, so Weinberger.

„Zunahme an Schäden“

Ausbleibende Niederschläge und mehrere Hitzewellen führten heuer zu einer Rekorddürre. In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im zehnjährigen Niederschlagsmittel (2016–2025). „Der menschengemachte Klimawandel führt zu einer Zunahme der Schäden“, so Weinberger weiter. Zwischen 2017 und 2025 lagen die Dürreschäden in Österreich zwischen 30 und 230 Mio. Euro.

Großer Schaden durch Dürre für Landwirte

Der Hitzesommer hat die Landwirte schwer getroffen. Die Schäden sind sehr groß, die Hagelversicherung geht derzeit von einer Milliarde Euro aus.

Wetterextreme werden heftiger und häufiger“, sagte der Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Anders Levermann, bei der Pressekonferenz. Nächstes Jahr könnte es noch „schlimmer“ werden, wegen des KlimaphänomensEl Nino“. Der Experte empfahl eine Energie- und Umweltpolitik „aus einem Guss“, man müsse „raus aus der ideologischen Ecke“.

Die Auszahlungen an die Bauern sind mit Rückversicherungen des Agrarspezialversicherers abgesichert. Man habe weltweit 36 Rückversicherungen. Der Chef der Hagelversicherung sprach sich gegen eine Dürre-Pflichtversicherung für alle Bauern aus, weil eine Pflichtversicherung „keine Begeisterung“ auslöse.

Verheerende Ausfälle

Den heimischen Bauern fehlen heuer Futtermittel, weil der Grünschnitt und die Sojaernte schlecht ausfallen. Manche Bauern müssen ihre Rinder bereits frühzeitig verkaufen, weil das Futter fehlt.

Im Grünland beläuft sich der Ertragsausfall laut aktueller Schätzung der Hagelversicherung auf 45 Prozent, bei den anderen von der Dürre betroffenen Kulturen, etwa Mais, soll es ein Minus von 25 Prozent und bei Getreide von 14 Prozent geben.

Insgesamt beträgt der Ausfall bisher rund 30 Prozent. In Jahren ohne Dürre beläuft sich der Produktionswert im Ackerbau und Grünland auf 3,2 Mrd. Euro. Auf Grundlage dieser Zahlen und Schadensmeldungen hat die Hagelversicherung den bisherigen Dürreschaden geschätzt.

Totschnig: Kontakt mit Finanzministerium aufgenommen

Für Ernteausfälle aufgrund der schweren Dürre in Österreich verspricht Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) auch Hilfsgelder für Bauern, die sich nicht gegen Dürre versichert haben. Es sei klar, dass „wir rasch vorankommen müssen“. Totschnig sprach davon, „in den nächsten Tagen“ ein Paket auf den Tisch legen zu wollen.

Der Wunsch nach Unterstützungsmaßnahmen für die Landwirtschaft komme vonseiten der ÖVP, das Finanzministerium warte daher auf konkrete Vorschläge aus dem schwarzen Landwirtschaftsministerium, heißt es APA-Angaben zufolge unterdessen aus dem Büro von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). Grundsätzlich komme aber wohl „nur eine Unterstützung infrage, die sich im Rahmen des Budgets bewegt“.

„Eine ‚Koste-es-was-es-wolle-Politik‘ wird es aus guten Gründen nicht geben“, wie es aus dem Ministerium dazu weiter hieß: Denkbar seien vielmehr „finanzielle Umschichtungen innerhalb des zuständigen Landwirtschaftsressorts“.