Mit dem Hitzebelastungsindex berechnet das Complexity Science Hub regelmäßig, wie stark Gemeinden und Bezirke unter der Hitze leiden. In die Berechnung fließen die Anzahl der Tropennächte und Hitzetage sowie der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre ein.

In über 370 der 2.116 Gemeinden bzw. Wiener Gemeindebezirken gilt die Hitzebelastung als sehr hoch. In diesen Regionen liegt der Anteil der über 65-jährigen Bevölkerung bei über 22 Prozent, und es gab bis 1. August bereits mindestens 28 Hitzetage.

Der heurige Sommer ist bisher einer der heißesten gemessenen Sommer in weiten Teilen Europas. In Österreich wurden zuletzt am 4. und 5. August Höchstwerte von 41,2 Grad Celsius in Bad Deutsch-Altenburg gemessen. Im Juni und Juli wurde die 40-Grad-Marke ebenfalls überschritten.

Hitzetage und Tropennächte stark gestiegen

Zwar ist die Hitzebelastung nach wie vor im Osten und Süden Österreichs am stärksten, aber auch westliche Bundesländer wie Vorarlberg und Tirol verzeichnen mehr Hitzetage als in den vergangenen Jahren.

Die meisten Hitzetage haben drei Kärntner Gemeinden verzeichnet: In Ebenthal, Feistritz und Ferlach gab es heuer bereits 39 Tage mit einer Temperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Die wenigsten Hitzetage – nämlich gar keine – gab es in Innervillgraten in Tirol und Lech in Vorarlberg.

Bei den Tropennächten – also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt – liegt die Bundeshauptstadt vorne. Mit jeweils bereits 30 Tropennächten haben insgesamt acht Wiener Gemeindebezirke (1., 2., 4., 5., 6., 7., 8., 9.) die meisten Tropennächte des Landes verzeichnet. Bei der Messstation der GeoSphere Austria an der Hohen Warte wurden bis 1. August ebenso bereits 15 Tropennächte verzeichnet. 2020 bis 2025 waren es im Schnitt rund 13 Tropennächte pro Jahr, von 1961 bis 1990 im Schnitt gar nur 2,4.

Keine einzige Tropennacht gab es heuer bisher in nur 548 Gemeinden, so wenige Gemeinden ohne Tropennacht wie noch nie. Seit 2018 sind nicht nur die Anzahl der Hitzetage und Tropennächte, sondern auch die Temperaturhöchstwerte gestiegen.

Hitzestress besonders für ältere Menschen hoch

Besonders für ältere Menschen stellt die anhaltende Hitze eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar. „Zwischen 2015 und 2022 führte jeder zusätzliche Hitzetag in den österreichischen Bezirken zu einem Anstieg der Sterblichkeit um 2,4 Prozent pro 1.000 Einwohner. Ist jeder vierte Einwohner eines Bezirks über 65 Jahre alt, verdoppelt sich dieser Effekt“, erklärt Hannah Schuster, Forscherin am Complexity Science Hub und an der WU Wien.

Da der August und in gewissem Maße der September zu den wärmeren Monaten des Jahres zählten, könnten sich die Zahlen bis zum Ende des Sommers noch erheblich ändern, heißt es in einer Aussendung des CSH. Die bisher verfügbaren Daten lieferten dennoch einen ersten Überblick und ließen klare Trends erkennen.

Bei extremer Hitze gilt vor allem: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell, laut AGES mindestens 1,5 bis drei Liter täglich. Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien empfiehlt außerdem, sich etwa durch Auflegen eines feuchten Tuches auf Kopf und Nacken abzukühlen. Zudem sei es empfehlenswert, helle und luftige Kleidung zu tragen sowie auf körperliche Anstrengung zu verzichten.

Schifffahrt und Landwirtschaft stark betroffen

Die anhaltende Hitze und ausbleibenden Regenfälle lassen Österreich in weiten Teilen unter der starken Trockenheit leiden. Auch die Schifffahrt und Landwirtschaft sind stark betroffen. Die Pegelstände der Donau etwa liegen laut Mobilitätsministerium rund 60 Zentimeter unter dem langjährigen Niederwasserwert, in der Wachau sind noch zwei Meter, östlich von Wien 1,8 Meter Fahrwasser in der Tiefenrinne gegeben.

Die Landwirtschaft kämpft ebenfalls mit den Folgen der Trockenheit. Die Hagelversicherung schätzt die Schäden der Dürre in der Landwirtschaft heuer auf bisher rund eine Milliarde Euro, knapp viermal so viel wie im Dürrejahr 2018. Betroffen von der Dürre sind laut Hagelversicherung ganz Österreich und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, regional auch anderes.