Knackpunkte sind weiterhin die Gegenfinanzierung und die Treffsicherheit der Hilfen. Die ÖVP fordert zusätzliches Geld, SPÖ und NEOS sind dagegen. Schmidt meinte nach dem Treffen im Landwirtschaftsministerium in einem schriftlichen Statement: „Wir haben derzeit leider wenig Fortschritt. Der Ball liegt nun beim Herren Minister beziehungsweise beim Koalitionspartner. (…) Eine Koste-es-was-es-wolle-Politik a la (ÖVP-Ex-Bundeskanzler, Anm.) Sebastian Kurz wird es mit uns nicht geben.“

„Allgemeine Steuergeldgeschenke für jeden einzelnen Betrieb unabhängig von der Betroffenheit sind für mich nicht vorstellbar“, so Schmidt weiter. Sie verknüpfte die Verhandlungen auch mit jenen über das seit Langem überfällige, weiter offene Klimagesetz.

Totschnig appelliert an SPÖ und NEOS

Totschnig sprach in einer kurzen Stellungnahme erneut von einer „historischen Dürrekatastrophe“ und „existenzbedrohenden Notlage“ für die Landwirte. Er habe „konkrete Vorschläge für treffsichere Maßnahmen“ für die Dürrehilfen präsentiert. Totschnig appellierte an SPÖ und NEOS, nicht zu taktieren, „sondern die Hilfen jetzt rasch gemeinsam zu beschließen“.

Auch in der ZIB2 am Freitag betonte Totschnig, dass die Trockenheit in diesem Jahr „alle Dimensionen“ sprenge. Er verwies auch darauf, dass versicherte Landwirtinnen und Landwirte bereits jetzt Geld von der Hagelversicherung erhalten würden. Eine Einigung in der Regierung erwarte er in den nächsten Tagen, ohne ein konkretes Datum zu nennen.

Dürrehilfen: Totschnig rechnet mit Einigung in den nächsten Tagen

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat im ZIB2-Interview über die Auswirkungen der Dürre auf die Landwirtschaft gesprochen. Eine Einigung zu Finanzhilfen für die Landwirtschaft erwartet er in den kommenden Tagen. Erste Gespräche in der Koalition blieben ergebnislos.

Die ÖVP schlug laut Ö1-Mittagsjournal Hilfen von 200 Mio. Euro aus Rücklagen der Sozialversicherung vor. Diese brauchten aber wohl eine Gegenfinanzierung. Auch über eine Öffnung des dafür nicht gewidmeten Katastrophenschutzfonds sei geredet worden. Am ehesten scheine derzeit eine Einigung auf Kredithilfen möglich, berichtete das Ö1-Mittagsjournal.

ÖVP will auch nicht versicherte Bauern entschädigen

Ein umstrittenes Thema war beim Treffen auch eine mögliche Entschädigung für Landwirte, die sich nicht versichern wollten, wie sie die ÖVP fordert. Hier warnen SPÖ und NEOS vor einer Überförderung. Würden Bauern, die sich nicht versicherten, nun entschädigt werden, könne das dazu führen, dass sich künftig mehr Bauern nicht versichern und auf staatliche Hilfen verlassen, so die Argumentation.

Zur „Tiroler Tageszeitung“ (Freitag-Ausgabe) hatte Totschnig dagegen im Vorfeld des Treffens gemeint: „Ohne Versicherung gibt es keine Möglichkeit einer Schadensabgeltung für versicherbare Risiken. Wovon ich rede, sind zusätzliche Unterstützungen wie Zinszuschüsse zu Betriebsmittelkrediten, etwa für den Ankauf von Saatgut oder Futtermitteln.“

Ihm sei bewusst, dass in den vergangenen 16 Monaten vier Sparpakete geschnürt wurden. „Nichtsdestotrotz benötigen wir zusätzliches Geld“, so Totschnig.

ÖVP gegen Abgleich mit Agrardiesel

Das Agrarbudget reiche jedenfalls nicht aus, um die Hilfen vollständig zu stemmen, betonte Totschnig bereits mehrmals. Geld aus der Förderung für Diesel in der Landwirtschaft („Agrardiesel“) umzuschichten, lehnt er ab. Das wäre nur eine Verschiebung „von der linken in die rechte Tasche“.

NEOS gegen frisches Geld

So wie die SPÖ ist auch NEOS gegen frisches Geld und gegen reine „Symptombekämpfung“. Sie orten – wie auch Fiskalratschef Christoph Badelt – wenig budgetären Spielraum: „Frisches Geld sehen wir nicht“, so die kleinste Regierungspartei.

Kickl droht mit NR-Sondersitzung

Von FPÖ-Chef Herbert Kickl kam unterdessen scharfe Kritik. Die Dürre sei eine Naturkatastrophe, so wie Hochwasser, für das es Auszahlungen aus dem Katastrophenfonds gibt. Kickl forderte von ÖVP, SPÖ und NEOS bis Sonntag ein fertiges Hilfspaket ein. Andernfalls würde er sich an die Grünen wenden, um gemeinsam eine Sondersitzung des Nationalrats zu beantragen. Auch der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) forderte rasche Hilfe für Bauern – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Mindestens eine Milliarde an Schäden

Die Dürreschäden in Österreich betragen heuer laut Hagelversicherung mindestens eine Milliarde Euro. 400 Millionen sind versichert, 300 nicht gedeckt, 300 nicht versichert. 55 Prozent der Prämien für die Dürreversicherung kommen vom Steuerzahler. In Österreich gibt es rund 101.000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen etwa die Hälfte im Nebenerwerb betrieben werden.

Kräftiger Einkommensanstieg 2025

Eine gute Ernte, höhere Erlöse in der tierischen Produktion und ein im Verhältnis geringerer Anstieg der Produktionskosten haben die landwirtschaftlichen Einkommen im Jahr 2025 deutlich steigen lassen. Der Nettounternehmensgewinn in der Landwirtschaft kletterte um 24,7 Prozent auf 2,55 Mrd. Euro, geht aus vorläufigen Daten der Statistik Austria hervor.

Der Gesamtproduktionswert der heimischen Landwirtschaft erhöhte sich 2025 um zehn Prozent auf rund 10,9 Mrd. Euro. Die pflanzliche Erzeugung wuchs um neun Prozent auf 4,47 Mrd. Euro, die tierische Produktion erhöhte sich um 10,7 Prozent auf 5,24 Mrd. Euro.

Auch Klimagesetz Thema

Thema beim Koalitionstreffen war auch das seit Jahren überfällige Klimagesetz, das noch immer auf sich warten lässt. Ob durch die Junktimierung von Dürrehilfen und Klimagesetz durch die SPÖ nun Bewegung in die Verhandlungen kommt, bleibt abzuwarten. Totschnig als ressortzuständiger Umweltschutzminister betonte selbst zuletzt mehrmals, dieses Gesetz müsse nun kommen.

SPÖ, NEOS, die Opposition und NGOs wiederum werfen Totschnig zu wenig Engagement und zu viel Rücksichtnahme auf Forderungen von Wirtschaftsvertretern vor. Einer der Hauptgründe ist ÖVP-interner Widerstand gegen die Klimaziele und den Pfad zur Erreichung der angepeilten CO2-Neutralität bis 2040.

Etwas Druck aus der Debatte könnte das Wetter nehmen. Die Prognose der ORF-Wetterredaktion sieht nach einem weiteren heißen Wochenende mit Höchstwerten bis 36 Grad Celsius ab Montag landesweit einen spürbaren Rückgang und verbreitete Regenschauer.