Zumindest in Deutschland gab es am Samstag ein vorsichtiges Aufatmen. Bei der Bekämpfung des größten Waldbrands in der Geschichte des Bundeslands Nordrhein-Westfalen machte die Feuerwehr Fortschritte.
Seit Donnerstagnachmittag kämpfen in Hürtgenwald in der Eifel an der Grenze zu Belgien Hunderte Einsatzkräfte gegen die Flammen. Nach Angaben des Kreises Düren waren etwa 300 Hektar Wald von dem Brand betroffen.
Man wolle mit der Brandbekämpfung jetzt zur Mitte des Waldbrands vorstoßen, sagte Feuerwehrsprecher Peter Berndgen. „Was denn möglich ist unter den Rahmenbedingungen: Wir sind auf einer Munitionsverdachtsfläche.“ Im Hürtgenwald liegen noch viele Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg, weil dort Ende 1944 eine große Schlacht im Zuge des Vorrückens der Alliierten stattgefunden hatte. Sorgen machte sich Berndgen zudem um den starken böigen Wind im Einsatzgebiet, der das Feuer wieder anfachen könnte.
Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU), sagte bei einem Besuch in Hürtgenwald, er habe so etwas noch nie gesehen. 1.400 Leute seien im Einsatz, dazu noch viele Freiwillige. „Jeder weiß, das Feuer ist entstanden durch irgendeinen Idioten. Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen, einfach irgendwas wegwerfen. Das ist das eigentliche Problem“, sagte Reul.
Feuer in belgischem Naturschutzgebiet
Rund 50 Kilometer entfernt, jenseits der Grenze zu Belgien, wurden durch einen Waldbrand im Naturschutzgebiet Hohes Venn bis zum Samstagabend mindestens 2.000 Hektar Vegetation zerstört. Die Löscharbeiten dauerten an, teilte der Gouverneur der Provinz Lüttich, Herve Jamar, am Samstag im Onlinedienst Facebook mit.
Die grenznahe deutsche Stadt hat am Samstagabend wegen des Brandes Anrainerinnen und Anrainer mehrerer Siedlungen aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Wenn möglich, sollten Anrainer bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Die Einrichtung von Notunterkünften werde vorbereitet, hieß es. Es handle sich zunächst um eine vorbeugende Maßnahme. Auf belgischer Seite sei am Samstag die Evakuierung der Ortschaften Küchelscheid und Leykaul eingeleitet worden.
Verstärkung aus ganz Belgien sowie aus Deutschland wurde mobilisiert. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib erklärte im Onlinedienst X, außerdem seien zwei Hubschrauber aus den Niederlanden, ein weiterer aus Tschechien sowie zwei Löschflugzeuge aus Schweden auf dem Weg nach Belgien.
Neue Brandherde in Frankreich
Auch im Südwesten Frankreichs brach ein neues Feuer aus. Seit Donnerstag wurden hier 1.580 Hektar Land verwüstet. Das Feuer war in einem trockenen Kiefernwald ausgebrochen und am Freitag zunächst gebremst worden, in der Nacht auf Samstag flammte der Brand aber wieder auf.
Insgesamt 650 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, wie der Präfekt des Departements Landes, Gille Clavreul, mitteilte. Die Flammen hätten keine Wohnhäuser erreicht.
Die Ursache für den Brand war am Samstag noch ungeklärt. Die Temperaturen waren in der Region am Donnerstag auf mehr als 40 Grad Celsius gestiegen. Nach mehreren Hitzewellen in den vergangenen Wochen sind die Kiefernwälder ausgetrocknet, neue Brandherde breiten sich rasch aus.
15.000 Hektar in Spanien betroffen
Auch Spanien erlebt erneut ein schweres Waldbrandjahr. Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) verbrannten seit Jahresbeginn bereits mehr als 283.000 Hektar.
In der südspanischen Provinz Huelva mussten 650 Menschen wegen eines Feuers ihre Häuser verlassen. In der nordöstlichen Region Aragonien waren indes mehr als 500 Feuerwehrleute und Löschflugzeuge bei einem Feuer im Einsatz, das ein Gebiet von mehr als 15.000 Hektar erfasst hat. 18 Dörfer und Weiler wurden evakuiert.
Schon am Donnerstag wurden hier die Gebeine der ersten Könige des mittelalterlichen Königreichs Aragon aus einem rund tausend Jahre alten Kloster in Sicherheit gebracht. Auf Aufnahmen der militärischen Nothilfeeinheit UME war zu sehen, wie Einsatzkräfte Behälter mit Schädeln und anderen Knochen aus dem Kloster tragen. Auch Kunstwerke und ein Kelch wurden in Sicherheit gebracht, während auf den umliegenden Hügeln die Flammen bereits loderten.
Starker Wind in Griechenland
In Griechenland blieb die Feuerwehr wegen des starken Nordwinds in weiten Teilen der Ägäis in Alarmbereitschaft. Der für die Jahreszeit typische Wind „Meltemi“ bläst mit rund 70 Kilometern die Stunde, Böen erreichen auch mehr als 100 Kilometer die Stunde. Durch den Wind können aus kleinen Feuern Flächenbrände entstehen, die wegen der Wetterbedingungen nur schwer zu bekämpfen wären.
Windbedingt mussten zudem viele Fähren vorerst in den Häfen vertäut bleiben, genau am Höhepunkt der Reisezeit. Zuvor waren diese Woche fast 500 Urlauberinnen und Urlauber in Chalkidiki über das Meer vor den Flammen in Sicherheit gebracht worden.
Ein Toter in Kroatien
In Kroatien wurde am Freitag nach einem verheerenden Waldbrand in dem ausgebrannten Gebiet an der Adria-Küste eine Leiche gefunden. Mindestens 40 weitere Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt und mehr als 2.000 Einheimische und Touristen in Sicherheit gebracht.
Feuerwehrchef Slavko Tucakovic sprach von „einem der schlimmsten Waldbrände in der Geschichte Kroatiens“. Zwischen 900 und 1.000 Hektar Land seien zerstört worden. Seit Jahresbeginn zählten die kroatischen Behörden rund 3.900 Brände, die fast 10.000 Hektar zerstörten. Die betroffene Fläche liegt damit 75 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.