Syrische Sicherheitskräfte haben den in Wien verurteilten syrischen Ex-Polizeichef Mussab Abu R. gestern festgenommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete.

Das Landesgericht Wien hatte R. im Juli der Folter und weiterer schwerer Straftaten an 21 Zivilisten für schuldig befunden. Während und nach der Gerichtsverhandlung in Wien hatte sich R. auf freiem Fuß befunden. Das Oberlandesgericht Wien (OLG) hatte nach der Festnahme und anschließender Verhängung der U-Haft einer Haftbeschwerde Folge gegeben und die vom Landesgericht für Strafsachen angenommene Fluchtgefahr verneint.

In Syrien gefeiert

Anschließend verließ R. Österreich und soll am 29. Juli von der Türkei aus nach Syrien eingereist sein, wie „News“ mit Verweis auf Informationen eines Privatermittlers berichtete. Demzufolge kehrte R. in seinen Heimatort im Süden des Landes zurück und wurde als Held willkommen geheißen. Die Familie von R. habe in sozialen Netzwerken verbreitet, ihren „ehrenwerten Sohn“ in Empfang zu nehmen, „nachdem Allah ihm die Freilassung aus dem Gefängnis in Österreich gewährt hat“.

Menschenrechtsanwalt: „Große Wut“ bei Einwohnern

Im Internet kursierte ein Bild des Ex-Polizeichefs, der lächelnd eine syrische Fahne schwenkt. Im Gegensatz zum feierlichen familiären Empfang habe unter al-Rakkas Einwohnern „große Wut“ geherrscht, sagte der syrische Menschenrechtsanwalt Firas Jehia dem TV-Sender al-Hadath. „Sie wissen genau, welche Menschenrechtsverletzungen er begangen hat.“

Dass R. bei der Einreise nach Syrien nicht verhaftet wurde, habe aus Sicht Jehias mehrere Gründe. Einerseits hätte die neue syrische Regierung bisher noch keine Namen von gesuchten Kriegsverbrechern veröffentlicht. Andererseits hätten syrische Behörden zum Zeitpunkt der Rückkehr des Ex-Polizeichefs noch „keine Informationen“ aus Österreich erhalten.

Laut SANA meldete der syrische Inlandsgeheimdienst nun auf der Nachrichtenplattform die Festnahme des Ex-Polizeichefs. Demzufolge nahmen Sicherheitskräfte R. im Rahmen einer Operation gegen Personen, die in Terrorismusfälle verwickelt sind, fest. Nun würden rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet.