Wo üblicherweise Kühe auf grünen und saftigen Weiden grasen, sind derzeit nur vertrocknete Wiesen zu sehen. St. Veit an der Gölsen (Bezirk Lilienfeld) ist nur ein Ort von vielen, an dem die Trockenheit ihre Spuren hinterlassen hat. „Wir hatten heuer beim ersten Schnitt 30 bis 50 Prozent Ertragseinbußen im Grünland. Jetzt, nach dem zweiten Schnitt, haben wir gar keine Ernte mehr. Das heißt, wir sind auf Futtermittelzukäufe angewiesen“, schildert Milchbauer Rudolf Buchner, der auch Obmann der Bezirksbauernkammer Lilienfeld ist.

Weil die Trockenheit ganz Österreich betrifft, seien auf den Märkten nicht genug Futtermittel vorhanden. „Wir müssen auf Maispflanzen zurückgreifen, das ist die einzige Variante, die noch eine Lösung bietet“, sagt Buchner. Der Mais, der eigentlich für die Körnermaisproduktion gedacht war, wird über viele Kilometer nach St. Veit an der Gölsen transportiert – ein großer logistischer Aufwand und eine finanzielle Herausforderung für den Landwirten. Doch nur so könne er seine Rinder über den Winter durchfüttern.

Verhandlungen sollen bald beginnen

Engpässe bei Futtermitteln, Einbußen bei der Ernte, eine Notreife oder vorgezogene Schlachtungen – die meisten Bäuerinnen und Bauern sind aktuell mit Problemen wie diesen konfrontiert. Seit Wochen appellieren viele von ihnen bereits an die Politik, ihnen zu helfen. Am Montag soll die Österreichische Hagelversicherung nun erste Zahlen zum Schadensausmaß vorlegen.

Dann sollen auch die Verhandlungen über Hilfen beginnen, verspricht Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig am Samstag beim Besuch auf Rudolf Buchners Rinderbetrieb: „Wir müssen als Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern Maßnahmen erarbeiten, um Abhilfe zu schaffen. In einem ersten Schritt ist es ganz wichtig, dass wir Betriebsmittelkredite zur Verfügung stellen, Zinszuschüsse gewähren, Kreditstundungen ermöglichen.“

Das sei aber erst der Anfang. „In weiterer Folge braucht es die Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge, um unsere Bäuerinnen und Bauern zu unterstützen“, ergänzt der zuständige Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). Bauernbund-Obmann Georg Strasser (ÖVP) betont, dass das Jahr 2026 alle Bäuerinnen und Bauern in Österreich an ihre Grenzen bringe, „deshalb braucht es jetzt rasche und unbürokratische Entlastungsmaßnahmen“.

Hilfe dringend notwendig

Maßnahmen wie diese würden auch Rudolf Buchner helfen. Denn auf ihn würden durch Zukäufe von Futtermitteln und den Erwerb weiterer Maisfelder zusätzliche Kosten von 40.000 bis 50.000 Euro zukommen, sagt er. Außerdem sei die aktuelle Marktsituation schwierig: „Wir haben gerade in der Milchviehhaltung keine guten Erzeugerpreise.“ Kosten für Betriebsmittel wie Düngemittel und Energie sind dagegen stark gestiegen.

Für Buchner ist klar: Es darf keine Zeit verloren werden. „Jetzt geht es wirklich darum: Will man diese Land- und Forstwirtschaft, so wie wir sie als Familienbetrieb betreiben, erhalten? Wenn ja, dann brauchen wir jetzt Unterstützung, ansonsten können wir das über die nächsten Jahre nicht erhalten, weil es finanziell nicht mehr möglich ist.“

Der Landwirt sieht aber nicht nur die Politik gefordert, sondern auch die Konsumentinnen und Konsumenten: „Der Konsument kann uns unterstützen, indem er zu Produkten aus Österreich greift.“